Do., 04.06.2026 , 19:13 Uhr

30 Jahre Sächsische Aufbaubank

Braucht Sachsen noch eine Aufbaubank?

Die SAB feiert Jubiläum. Doch braucht Sachsen heute noch eine Aufbaubank?

Vom Aufbau Ost zur Zukunftsfinanzierung

Die Sächsische Aufbaubank feiert ihr Jubiläum in Leipzig. Drei Jahrzehnte Förderung, Milliarden für Infrastruktur, Wirtschaft, Bildung, Soziales und Wohnungsbau. Doch über dem Festakt steht eine größere Frage: Braucht Sachsen heute überhaupt noch eine Aufbaubank?

Als die SAB ihre Arbeit aufnahm, war die Ausgangslage eine andere. Nach der Wende mussten Betriebe modernisiert, Innenstädte saniert, Wohnungen erneuert und kommunale Strukturen aufgebaut werden. Förderung war damals Teil des wirtschaftlichen Neustarts.

Heute ist Sachsen deutlich stärker aufgestellt. Der Freistaat hat Industriecluster, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, einen starken Mittelstand und internationale Unternehmen. Trotzdem bleibt der Bedarf an öffentlicher Finanzierung hoch. Denn die Herausforderungen haben sich verändert.

Neue Aufgaben für eine alte Institution

Statt klassischem Wiederaufbau geht es heute um Transformation. Unternehmen müssen digitaler werden. Kommunen brauchen Geld für Infrastruktur. Wohnraum soll energieeffizienter und barriereärmer werden. Gleichzeitig stehen viele Betriebe unter Druck: höhere Kosten, Fachkräftemangel, schwache Konjunktur und internationale Konkurrenz.

Genau hier setzt die SAB an. Sie vergibt Fördermittel im Auftrag des Freistaates Sachsen. Das geschieht über Zuschüsse, Darlehen und Bürgschaften. 2025 stellte die Bank rund 2,6 Milliarden Euro an Finanzierungszusagen bereit. Der größte Anteil floss in Infrastruktur und kommunale Projekte. Weitere Schwerpunkte waren Wirtschaftsförderung, Bildung, Soziales und Wohnungsbau.

Dr. Katrin Leonhardt steht seit 2020 an der Spitze der Förderbank. Zuvor arbeitete sie rund zwanzig Jahre bei der KfW Bankengruppe, unter anderem in der Mittelstandsfinanzierung und bei öffentlichen Kunden. Ihre Erfahrung ist für die aktuelle Debatte zentral: Wie muss Förderung funktionieren, damit sie nicht nur gut gemeint ist, sondern tatsächlich wirkt?

Förderung soll einfacher werden

Ein wiederkehrender Kritikpunkt an Förderprogrammen ist die Bürokratie. Anträge sind oft komplex. Verfahren dauern. Für kleine Unternehmen, Vereine oder Kommunen kann das zur Belastung werden. Fördermittel helfen aber nur dann, wenn sie rechtzeitig ankommen und verständlich beantragt werden können.

Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter sieht darin eine Kernaufgabe für die kommenden Jahre. Der SPD-Politiker lebt seit vielen Jahren in Leipzig, studierte hier Verwaltungswissenschaften und arbeitete vor seiner politischen Laufbahn im Finanzsektor. Seit Dezember 2024 ist er Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz. Außerdem ist er Mitglied im Verwaltungsrat der SAB.

Damit wird deutlich: Die Frage nach der SAB ist auch eine Frage nach moderner Verwaltung. Wenn Förderung zu kompliziert ist, verfehlt sie ihr Ziel. Wenn sie aber schnell, digital und zielgenau funktioniert, kann sie Investitionen auslösen, die ohne öffentliche Unterstützung möglicherweise nicht stattfinden würden.

Warum der Freistaat weiter auf Förderung setzt

Auch Ministerpräsident Michael Kretschmer betont beim Jubiläum die Bedeutung öffentlicher Investitionen. Der CDU-Politiker aus Görlitz ist seit 2017 Ministerpräsident des Freistaates Sachsen. Für ihn steht die SAB auch für die wirtschaftspolitische Handlungsfähigkeit des Landes.

Die Förderbilanz zeigt, wie breit die Aufgaben inzwischen sind. Es geht nicht nur um Unternehmen. Die SAB unterstützt Kommunen, Bildungseinrichtungen, soziale Projekte, Wohnungsbau und Klimaschutzmaßnahmen. Mehr als 3.300 Unternehmen wurden 2025 unterstützt, dazu zahlreiche Innovations- und Digitalisierungsprojekte.

Regionale Relevanz für Leipzig und Sachsen

Der Sitz der SAB in Leipzig macht das Thema auch für die Region besonders relevant. Förderentscheidungen wirken nicht abstrakt, sondern konkret: bei sanierten Gebäuden, Unternehmensinvestitionen, neuen Arbeitsplätzen, sozialen Projekten oder moderner Infrastruktur.

Gerade Leipzig steht für Sachsens wirtschaftlichen Wandel. Die Stadt wächst, zieht Unternehmen und Fachkräfte an, steht aber zugleich unter Druck bei Wohnen, Verkehr, Energie und kommunaler Infrastruktur. Eine Förderbank kann diese Probleme nicht allein lösen. Sie kann aber finanzielle Spielräume schaffen.

Ausblick: Aufbau ist nicht vorbei, er heißt nur anders

Die SAB bleibt damit ein Instrument staatlicher Wirtschaftspolitik. Nicht mehr im Sinn des klassischen Aufbau Ost, sondern als Begleiterin von Transformation, Innovation und Strukturwandel.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Sachsen noch Hilfe beim Wiederaufbau braucht. Diese Phase ist vorbei. Die Frage lautet, ob Sachsen öffentliche Anschubfinanzierung für seine Zukunft braucht. Die Antwort des Jubiläums fällt klar aus: Der Aufbau der Zukunft ist längst im Gange.