Am Südufer des Störmthaler Sees entsteht in den kommenden Jahren ein Campingplatz, den es in dieser Form bundesweit bislang nicht geben soll. Unter dem Motto „Camping für Alle“ ist auf rund sieben Hektar eine dreigliedrige Dorfstruktur geplant.
Vorgesehen sind barrierefreie Ferienhäuser und Tiny-Häuser sowie Stellplätze für Wohnwagen. Hinzu kommen ein Strandbereich mit Gastronomie, Spiel- und Abenteuerflächen sowie tiergestützte Angebote. Auch eine Einrichtung der Eingliederungshilfe für Kinder und Jugendliche soll auf dem Gelände entstehen.
Bis Ende 2028 sollen die wesentlichen Bauwerke fertiggestellt sein. In der Saison 2029 soll der Campingplatz seinen Betrieb aufnehmen.
Hinter dem Projekt liegen mehrere Jahre Vorbereitung. Peter Böhmer, Betriebsleiter des Städtischen Eigenbetriebs Behindertenhilfe Leipzig und Projektleiter des Vorhabens, spricht von vier Jahren konkreter Vorbereitung.
„Jetzt der Spatenstich, heißt: Es geht konkret los. Und in reichlich zwei Jahren, Ende 2028, wollen wir die Bauwerke im Wesentlichen abgeschlossen haben“, so Böhmer.
Dass es tatsächlich zum Baustart kommt, war zwischenzeitlich allerdings nicht sicher. Zwar lag 2024 bereits ein Fördermittelbescheid vor, später fehlte jedoch Geld für die Erschließung des Grundstücks.
Auch Sachsens Staatsministerin für Infrastruktur und Landesentwicklung Regina Kraushaar verweist auf die Schwierigkeiten während der Planungsphase. „Es gab viele, viele Finanzierungsprobleme. Wir hatten hier tatsächlich über lange Zeit keine Klarheit: Wird das funktionieren oder nicht?“
Inzwischen ist die Finanzierung gesichert. Insgesamt werden für das Vorhaben rund 35,5 Millionen Euro veranschlagt. 33,75 Millionen Euro kommen vom Bund, der übrige Teil vom Freistaat Sachsen.
Ein Großteil der Finanzierung stammt aus Mitteln für den Strukturwandel. Der Standort gehört zur ehemaligen Braunkohleregion rund um den Tagebau Espenhain.
Mit dem Ende des Braunkohleabbaus sollen in der Region neue wirtschaftliche und touristische Strukturen entstehen. Der neue Campingplatz ist Teil dieser Entwicklung.
Doch das Projekt soll über ein rein touristisches Angebot hinausgehen. Der Betreiber spricht von einer sogenannten „doppelten Inklusion“.
Menschen mit und ohne Behinderung sollen den Campingplatz gemeinsam nutzen können. Gleichzeitig sollen Menschen mit Behinderung dort Beschäftigung finden.
„Wir wollen hier ein Urlaubs-, Ferienangebot unterbreiten, was sich an alle Familien richtet, eben auch an Familien, die Angehörige haben, die spezielle Bedarfe haben“, erklärt Böhmer. Gleichzeitig sei es wichtig, „dass auch Menschen mit Behinderungen Arbeit finden, sozialversicherungspflichtige Arbeit, von der sie leben können.“
Rund 40 Arbeitsplätze sind auf dem Gelände vorgesehen. Damit soll Inklusion sowohl auf Seiten der Gäste als auch bei den Beschäftigten eine Rolle spielen.
Das Projekt greift damit ein grundsätzliches Thema auf: Freizeit, Urlaub und Arbeit sind für Menschen mit Behinderung noch nicht überall gleichermaßen zugänglich.
Sachsens Sozialministerin Petra Köpping verweist darauf, dass sieben Prozent der Bevölkerung bundesweit mit einer Behinderung lebten. Eine Behinderung könne zudem durch eine Erkrankung oder einen Unfall jeden betreffen.
„Ich erlebe immer wieder, dass Menschen, die nicht unmittelbar betroffen sind, sich dafür nicht interessieren, aber von dem Tag an, wo sie betroffen sind, plötzlich merken, was es alles noch für Leerstellen gibt“, sagt Köpping.
Der neue Campingplatz soll eine solche Lücke im Freizeitbereich verkleinern. Ob der Anspruch „Camping für Alle“ im Alltag tatsächlich eingelöst werden kann, wird sich allerdings erst nach der Eröffnung zeigen.
Für 2029 ist die Aufnahme des Betriebs geplant. In der Hochsaison rechnet der Betreiber mit bis zu 500 bis 600 Gästen pro Tag.