Chemnitz- Ein Trabant im Rathaus Chemnitz sorgt derzeit für viele neugierige Blicke. Doch hinter dem ungewöhnlichen Ausstellungsstück steckt weit mehr als nur Automobilgeschichte. Es geht um einen Chemnitzer, dessen Entscheidungen bis heute die Region prägen – und um eine Erfolgsgeschichte, die aktuell wieder auf dem Prüfstand steht.
Der ockerfarbene Trabant, der am Mittwoch die Stufen des Chemnitzer Rathauses mit fast schon Bravour meisterte, kann im Gegensatz zu seinem Vorgänger aus dem Vollen schöpfen: Denn unter der Duroplast-Haube knattert kein Zweitakt-, sondern ein Vierzylinder-VW-Motor. Genau deshalb ist das Kultauto aus der DDR aktuell im Rathaus Chemnitz im Rahmen einer Ausstellung zu sehen. Denn das mit Super-Benzin fahrende Auto geht auf eine Kooperation aus den 1980er-Jahren zurück, die Carl Hahn einfädelte. Der Automobilmanager wäre am 1. Juli 100 Jahre alt geworden. Zum Jubiläum soll nun an den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von Volkswagen erinnert werden.
Für Cornelia Siegel, Leiterin für Europäische und Internationale Beziehungen im Rathaus Chemnitz, war der Automobilmanager nicht nur ein Sohn der Stadt, sondern prägte auch die wirtschaftliche Entwicklung der Region nach der Wende entscheidend mit. Die Gerüchte um Werksschließungen in Zwickau, rund 45 Kilometer von Chemnitz entfernt, hätten auch die Vorbereitungen zu den Feierlichkeiten überschattet. Aus Sicht von Ludwig Karsch vom Museum für Sächsische Fahrzeuge Chemnitz könne man in dieser Hinsicht auch aus der Geschichte lernen.
Karsch, dessen erstes Auto ein Trabant war, blickt übrigens mit gemischten Gefühlen auf die „Pappe“ zurück. Wäre es nach ihm gegangen, hätte er sich nach der Führerscheinprüfung lieber für ein anderes Modell entschieden. Auch die wichtigste Neuerung des ausgestellten Modells – der Viertaktmotor – hätte daran nicht viel geändert. Die Produktion des Trabant wurde 1991 eingestellt. In Chemnitz ging es dagegen mit großen Schritten bergauf. Vor allem dank Carl Hahn, der 1990 Volkswagen Sachsen gründete und 1992 ein neues Motorenwerk in Chemnitz bauen ließ. Damit legte er nach der Wende den Grundstein für die Automobilindustrie als Schlüsselbranche – nicht nur in Chemnitz, sondern auch an weiteren Standorten im Freistaat Sachsen.