Mo., 11.05.2026 , 17:37 Uhr

Seit Jahren bringt der Wettkampf Menschen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen zusammen.

Chemlympics - Wenn Sport Barrieren überwindet

Chemnitz- Laufen, werfen, jubeln — und vor allem gemeinsam an den Start gehen. Bei den Chemlympics in Chemnitz zählt nicht nur die sportliche Leistung. Die Veranstaltung zeigt auch, welche Hürden Menschen mit Behinderung im Alltag noch immer überwinden müssen. 

Und genau das hat sie geschafft. Im Sprint lief Luise der Konkurrenz davon und sicherte sich einen der ersten Plätze bei den 14. Chemlympics. Bereits seit 2010 treten dort Menschen mit Behinderung in verschiedenen Disziplinen gegeneinander an. Angelehnt an das Deutsche Sportabzeichen stehen unter anderem Medizinballweitwurf, Sprint, Weitsprung und Fußballdart auf dem Programm. Für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer gibt es statt des Weitsprungs eine Zielwurfscheibe.

Für Nadja Gehre, die seit der ersten Ausgabe an der Organisation beteiligt ist, sind die Chemlympics jedes Jahr etwas Besonderes. Denn für viele Teilnehmende steht nicht der Sieg im Mittelpunkt, sondern vor allem das gemeinsame Erlebnis und das Gefühl, dabei zu sein. Ähnlich sieht es Sandra Strobel, die seit 2019 ehrenamtlich bei den Chemlympics mitwirkt. Für sie sind die Dankbarkeit und die Freude der Teilnehmenden ein Grund, die Veranstaltung jedes Jahr aufs Neue zu unterstützen.

 

Seit Jahren bringen die Chemlympics Menschen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen zusammen. Mit Blick auf den Medaillenspiegel könnte das durchaus für Frust sorgen, denn bei der Veranstaltung treffen Profis auf Amateure. Um das auszugleichen, setzt man beim Wettkampf auf verschiedene Kategorien, sodass grundsätzlich jeder Teilnehmende die Chance auf eine Medaille hat. Für Nadja Gehre ist genau das eine der wichtigsten Lehren aus den vergangenen Veranstaltungen.

Und das Prinzip scheint aufzugehen. Die Begeisterung darüber, dabei sein zu können, war vielen Teilnehmenden deutlich anzusehen. Auch Anett Büttner ist bereits zum vierten Mal dabei. Aus ihrer Sicht ist die Veranstaltung auch ein Stück weit gelebte Teilhabe. Gemeinschaft und Inklusion stehen bei den Chemlympics klar im Vordergrund. Gleichzeitig macht die Veranstaltung aber auch Probleme sichtbar, mit denen viele Menschen ohne körperliche Einschränkungen kaum in Berührung kommen. Vor allem Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer stehen häufig vor finanziellen Herausforderungen.

 

Andrea Mörbe ist in ihrer Freizeit sportlich sehr aktiv. Mit ihrem Handbike hat sie bereits mehrere Halbmarathons und Marathons absolviert. Die notwendige Ausrüstung kostet jedoch viel Geld. Erst durch die Unterstützung von Lukas Stern e. V. und weiterer Sponsoren konnte sie sich den speziellen Sportrollstuhl leisten. Aus eigener Tasche wäre das kaum möglich gewesen. Ein eigener Spendenaufruf blieb zuvor nahezu ohne Resonanz. Auch an anderer Stelle wünscht sich Andrea Mörbe mehr Unterstützung und vor allem mehr Sichtbarkeit. Die Leistungen, die bei den Chemlympics erbracht werden, müssten aus ihrer Sicht stärker gewürdigt werden. Zudem gebe es im Alltag noch immer viele Barrieren, die abgebaut werden könnten.

Die Chemlympics zeigen nicht nur sportlichen Ehrgeiz und persönliche Erfolgsgeschichten. Sie machen auch deutlich, wie wichtig Teilhabe, Unterstützung und gegenseitiger Respekt sind. Für viele Teilnehmende geht es deshalb am Ende um weit mehr als nur Medaillen — nämlich um Anerkennung, Gemeinschaft und die Chance, selbstverständlich dazuzugehören.