Sa., 29.11.2025 , 16:25 Uhr

Während die Kulturhauptstadt in ihre Legacy-Phase startet, rückt eine Gruppe in den Mittelpunkt, die das Projekt leise, aber entscheidend getragen hat.

Chemnitz 2025: Die Freiwilligen – das Rückgrat des Kulturhauptstadtjahres

Chemnitz- Ein Jahr voller Engagement, Begegnungen und neuer Perspektiven liegt hinter Chemnitz. Während die Kulturhauptstadt in ihre Legacy-Phase startet, rückt eine Gruppe in den Mittelpunkt, die das Projekt leise, aber entscheidend getragen hat – und dabei ein anderes Bild der Stadt geprägt hat, als viele erwartet hätten.

Die Kulturhauptstadt macht Feierabend. Für Unwissende sei gesagt: Es geht weiter – Chemnitz geht in die Legacy-Phase über. Und dieser Übergang wird natürlich standesgemäß gefeiert. Den Auftakt setzte eine Festveranstaltung im Chemnitzer Industriemuseum. Und dort rückte man vor allem diejenigen in den Mittelpunkt, die dafür gesorgt haben, dass dieses Jahr zu dem werden konnte, was es geworden ist.

Neben den Köpfen der Kulturhauptstadt und den vielen Macherinnen und Machern fiel dabei ein besonderer Fokus auf die Freiwilligen – jene, die bei jeder Gelegenheit mit angepackt und dafür gesorgt haben, dass die große Sause rundlief. Rund 1.200 dieser „Hidden Champions“ waren es – die Stadt nennt sie Volunteers.

Eine von ihnen ist Simone Stolle. Die Chemnitzerin hatte sich zuvor lange im Pflegebereich freiwillig engagiert, doch die coronabedingten Kontaktbeschränkungen setzten ihrem Einsatz ein Ende. Da kam die Kulturhauptstadt gerade recht. Das Jahr, sagt sie, habe auch sie verändert. Ein Teil davon sein zu dürfen, mache sie unglaublich stolz.

Auch Leonore Cebulla hat bei zahlreichen Veranstaltungen unterstützt. Ein einzelnes Highlight könne sie kaum benennen – alles habe seinen Reiz gehabt. Was bei ihr besonders hängen geblieben sei, ist die Veränderung der Menschen: spürbar, sichtbar und durchweg positiv. Das und das Zusammenspiel vieler kleiner Räder, die nahtlos ineinandergriffen, hätten den Titel Chemnitz 2025 erst mit Leben gefüllt.

Und all das wäre nicht möglich gewesen, hätte Barbara Ludwig den Weg Richtung Kulturhauptstadt damals nicht mutig eingeschlagen. Die ehemalige Oberbürgermeisterin musste sich anfangs durchaus belächeln lassen. Nicht jeder glaubte daran, dass der Titel tatsächlich nach Chemnitz kommen könnte. Dass es gelungen ist, erfüllt sie bis heute mit Freude – und sie sieht darin eine enorme Chance für die Stadt. Doch auch Ludwig hatte nicht in alles blindes Vertrauen: Vor allem die Suche nach Freiwilligen schien ungewiss. Dass sich am Ende so viele Menschen fanden, erfüllt sie mit besonderem Stolz – zumal die Volunteers es geschafft hätten, ihre eigene Begeisterung auf die Gäste zu übertragen.

Auch Ronny Körner blickt glücklich auf das Jahr zurück. Die positive Ausstrahlung der Volunteers, von der auch Barbara Ludwig sprach, habe auch er unmittelbar erlebt und genossen. Natürlich habe die Kulturhauptstadt nicht jeden Pessimisten erreicht – das sei auch nicht zu erwarten gewesen. Doch aus seiner Sicht sollten gerade diese Menschen einen Perspektivwechsel wagen: Nicht alles laufe immer perfekt, aber man müsse auch festhalten, dass Deutschland ein Land sei, in dem friedliches Zusammenleben möglich ist – und in dem Projekte wie die Kulturhauptstadt überhaupt Realität werden können.


Die Volunteers waren – neben vielen engagierten Macherinnen und Machern – die verlässliche Konstante in einem Jahr voller Veranstaltungen, Herausforderungen und Höhepunkte. Ihr Einsatz, oft im Hintergrund und selten im Rampenlicht, hat das Projekt getragen und geprägt. Mehr als 1.200 von ihnen haben gezeigt, welche Kraft im bürgerschaftlichen Engagement stecken kann. Mit ihrem Enthusiasmus, ihrer Offenheit und ihrer Beharrlichkeit haben sie nicht nur die Gäste beeindruckt, sondern womöglich auch den Blick von außen auf die Stadt nachhaltig verändert.