Chemnitz- Wer glaubt, Jugendliche interessierten sich nicht für Politik oder gesellschaftliche Verantwortung, der wäre bei der ersten Verleihung des Chemnitzer Schülersprecherpreises eines Besseren belehrt worden. Im Stadtverordnetensaal des Rathauses standen junge Menschen im Mittelpunkt, die Verantwortung übernehmen, ihre Schulen mitgestalten und dabei durchaus klare Botschaften formulieren.
Mit einem musikalischen Auftakt der Städtischen Musikschule begann die erste Verleihung des Chemnitzer Schülersprecherpreises. Geehrt wurden Schülerinnen und Schüler, die sich in besonderer Weise für ihre Schule, ihre Mitschüler und ein respektvolles Miteinander einsetzen. Schon bei der Begrüßung wurde deutlich: Es ging nicht nur um gute Noten oder schulische Leistungen. Laut der Gleichstellungsbeauftragten Franziska Herold soll der Preis ein Ansporn sein, sich schon in jungen Jahren einzubringen und Verantwortung zu übernehmen.
Ausgezeichnet wurden Schülerinnen und Schüler aus den Kategorien Grundschule, Oberschule, Förderschule und Gymnasium. Die Preisträger nahmen ihre Auszeichnungen nicht nur entgegen. Einige nutzten die Bühne auch für gesellschaftliche und politische Botschaften. Sie sprachen über Mitbestimmung, Chancengleichheit, Respekt und die Verantwortung junger Menschen in einer demokratischen Gesellschaft. Besonders hervor stach die Dankesrede einer Schülerin der DPFA-Regenbogenschule. Nach ihrem Dank für die Auszeichnung warnte sie vor rechtspopulistischen Tendenzen unter jungen Menschen und formulierte ihre Kritik an der AfD dabei in sehr deutlichen Worten. Die Preisverleihung wurde damit gleichzeitig zu einer Plattform für junge Stimmen, die ihre Vorstellungen von Schule und Gesellschaft selbstbewusst formulierten. Dass so viele Schulen Vorschläge eingereicht hatten, war im Vorfeld keineswegs selbstverständlich. Umso größer war die Freude der Organisatorinnen über die Resonanz auf die Premiere.
Einer der ausgezeichneten Schüler war Leandro Kappel. Er erhielt den ersten Platz in der Kategorie Oberschule. Als Schülersprecher setzt er sich dafür ein, seine Schule aktiv weiterzuentwickeln und für viele Jugendliche zu einem besseren Ort zu machen. Für den Oberschüler bedeutet Engagement vor allem, Verantwortung zu übernehmen und Schule aktiv mitzugestalten. Neben sozialen Themen lag ihm vor allem die Digitalisierung am Herzen. Gemeinsam mit seiner Schule begleitete er ein Projekt, das den Unterricht moderner gestalten sollte. So setzte sich der Schülersprecher erfolgreich dafür ein, digitale Endgeräte stärker in den Unterricht zu integrieren.
Die Vielzahl der eingereichten Vorschläge und Projekte zeigte, wie engagiert viele junge Menschen bereits heute Verantwortung übernehmen. Für die Jury war das durchaus beeindruckend. Für Leandro Kappel war die Auszeichnung schließlich eine besondere Anerkennung seiner Arbeit. Mit dem ersten Platz in seiner Kategorie wurde sein Einsatz nun auch öffentlich gewürdigt. Mit der ersten Verleihung des Schülersprecherpreises setzte die Stadt Chemnitz ein deutliches Zeichen für Mitbestimmung und gesellschaftliches Engagement. Gleichzeitig zeigte die Veranstaltung, dass viele junge Menschen ihre Schulen und ihr Umfeld aktiv mitgestalten wollen – und dabei längst nicht nur zuhören, sondern ihre eigenen Ideen und Standpunkte selbstbewusst vertreten.