Chemnitz- Für das Congress Hotel in Chemnitz läuft die Zeit ab. Bereits im vergangenen Monat kam die schockierende Nachricht: Das Wahrzeichen und zugleich höchste Gebäude der Stadt muss schließen. Nun ist der Moment gekommen, an dem die Schlüssel übergeben werden. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutet das: kein Zutritt mehr zum Haus, kein Arbeitsplatz mehr. Für rund 40 Beschäftigte ist damit endgültig Schluss – an einem Ort, an dem manche seit über 40 Jahren gearbeitet haben. Bei der Betriebsratsvorsitzenden Simone Dierig sitzt der Schock noch immer tief.
Mit dem Aus verschwindet nicht nur ein Hotel, sondern auch ein Stück Chemnitzer Geschichte. Das Haus gilt als Wahrzeichen der Stadt. Das Restaurant in der 26. Etage mit dem Blick über Chemnitz ist für Gäste und auch für die Mitarbeiter etwas Besonderes.
Dabei lief das Geschäft zuletzt gut. Noch im Kulturhauptstadtjahr war das Hotel fast täglich ausgebucht. Simone Dierig erinnert sich an hunderte Frühstücksgäste am Morgen, lange Schichten und zahlreiche Überstunden für das gesamte Team.
Aufgeben wollen die Beschäftigten dennoch nicht. Während andere sich auf Jobsuche begeben, drehen sie den Spieß um: Sie schicken Bewerbungen für das Hotel selbst raus, um einen neuen Betreiber zu finden. Unter dem Motto ‚Kult-Hotel mit Dream-Team sucht neuen Betreiber‘ versenden sie ihre Unterlagen an mehrere Hotelgesellschaften – unterstützt von der Gewerkschaft NGG. Bisher ist jedoch auch dieser Versuch gescheitert.
Für das Congress Hotel endet eine Ära und für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beginnt eine Zeit voller Ungewissheit. Noch wird ein Sozialplan verhandelt, erst danach sollen die Kündigungen folgen. Wie es in Zukunft mit dem Haus weitergeht, bleibt offen. Zwischen leeren Fluren und verschlossenen Türen stellt sich nun die Frage: Wird das Congress Hotel ein neues Kapitel erleben?