Chemnitz- Ein ungewöhnlicher Abschied aus den Kunstsammlungen Chemnitz lenkt den Blick auf ein düsteres Kapitel der Stadtgeschichte. Im Mittelpunkt stehen drei Arbeiten, deren Herkunft nie genau geklärt werden konnte – und eine Familie, die nun ein Stück ihres Erbes zurückerhalten hat.
Wenn Werke die Kunstsammlungen Chemnitz verlassen, dann meist als Leihgaben für andere Ausstellungen oder als Rückgaben von geliehenem. Für die drei Arbeiten, die am Dienstag das ehrwürdige Haus verließen, trifft jedoch weder das eine noch das andere zu. Denn die Zeichnungen aus der Sammlung Carl Heumann, die der geladenen Presse präsentiert wurden, stammen aus zweifelhafter Herkunft.
Nun kehren die Werke in den Besitz der Familie zurück. Enkelin Carol Heumann Snyder war eigens aus den Vereinigten Staaten angereist. Die Amerikanerin zeigte sich tief bewegt – auch deshalb, weil sie ihrem Großvater nie begegnen konnte und nun etwas in den Händen hält, das ihm einst viel bedeutet hat.
Den Stein ins Rollen gebracht hatte ein Projekt zur Provenienzforschung. Zwischen 2019 und 2022 wurden Zeichnungen, Druckgrafiken und Bücher mit Originalgrafiken aus dem Erwerbszeitraum 1933 bis 1945 auf ihre Herkunft untersucht. Dieser Prozess, der unter dem Begriff Restitution zusammengefasst wird, betrifft auch die drei Werke, die nun an die Erben Heumanns übergeben worden sind. Denn man könne nicht ausschließen, dass es sich um Raubkunst handele. Verwunderlich sei das nicht, denn Chemnitz sei schon früh auf NS-Linie eingeschwenkt – etwas, das sich auch in den Kunstsammlungen bemerkbar gemacht habe.
Auch Claudia Bilbao, ebenfalls eine Enkelin Carl Heumanns, reiste für die Übergabe der Kunstwerke aus den USA an. Die Grafiken hätten für sie einen besonderen Wert, da ihr Großvater bei der Bombardierung von Chemnitz ums Leben kam – seine gesammelten Schätze jedoch bis heute existieren und sein Andenken durch solche Erinnerungsstücke weitergetragen werden könne. Die Restitution betroffener Werke würde laut Florenz Thurmes auch in Zukunft weitergehen. Einen Endpunkt könne man da kaum setzen. Das Thema bekomme in Chemnitz zudem 2026 noch einmal besondere Aufmerksamkeit.
Die Rückgabe dieser drei Zeichnungen zeigt, wie mühsam, vielschichtig und zugleich notwendig die Aufarbeitung der Vergangenheit bleibt. Jede Provenienzrecherche legt nicht nur Fakten offen, sondern verbindet Biografien über Generationen hinweg neu. Dass die Werke nun in die Hände der Familie zurückkehren, macht deutlich: Restitution ist kein Verwaltungsakt, sondern ein Akt historischer Verantwortung.