Ausgangspunkt der Diskussion ist der jüngste Stromausfall in Berlin, bei dem eine gezielte Sabotage an einer sensiblen Stelle des Netzes massive Folgen hatte. „Grundsätzlich haben wir in Deutschland sehr moderne und resiliente Stromnetze“, sagte Dr. Axel Cunow, Finanzchef von SachsenEnergie, im Interview mit Sachsen Fernsehen. In Berlin sei jedoch eine Kabelbrücke betroffen gewesen, bei der Haupt- und Redundanzleitung direkt nebeneinander verliefen – ein bekanntes Risiko, das gezielt ausgenutzt worden sei.
Besonders kritisch sieht Cunow die hohe Transparenz der deutschen Energieinfrastruktur. Viele Leitungsführungen und sensible Bereiche sind frei im Internet einsehbar. „Sie könnten in Deutschland so gut wie in kaum einem anderen Land von Ihrem Schreibtisch aus einen Anschlag planen“, erklärte Cunow und forderte ein Umdenken bei Transparenz und Datenschutz.
Mit Blick auf Sachsen betonte er, dass auch hier alle Netze nach dem sogenannten N-1-Prinzip redundant ausgelegt seien. Absolute Sicherheit gebe es jedoch nicht. „Mit genügend Böswilligkeit und Informationen lässt sich jedes System manipulieren“, bestätigte Cunow. Regelmäßige Trainings, gut ausgebildetes Personal und redundante Leitstellen seien wichtige Bausteine, könnten Risiken aber nicht vollständig ausschließen.
Auch Sachsenenergie-Vorstand Dr. Frank Brinkmann sprach sich für ein neues Abwägen politischer Prioritäten aus. Datenschutz habe in der Vergangenheit häufig Vorrang vor dem Objektschutz gehabt. Der Berliner Vorfall könne nun Anlass sein, den Schutz kritischer Infrastruktur stärker in den Fokus zu rücken.
Trotz der Sicherheitsdebatte zog SachsenEnergie eine positive Bilanz für das Jahr 2025. Das Unternehmen gewann nach eigenen Angaben rund 20.000 Neukunden, investierte rund 750 Millionen Euro und vergab etwa 60 Prozent der Aufträge an sächsische Unternehmen. Mit Blick auf den Winter zeigte sich Brinkmann zuversichtlich: Die Gas- und LNG-Infrastruktur sei ausreichend, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten.