Dresden kämpft rund um Weihnachten mit demselben Problem: Viele Menschen wollen Tiere verschenken, doch kaum beginnt der Alltag, landen manche von ihnen wieder im Tierheim. Tierpflegerin Stefanie Herzog erklärt, woran solche Entscheidungen scheitern – Sachsen Fernsehen war vor Ort.
Alle Jahre wieder beobachtet das Tierheim Dresden den gleichen Trend: Anfang Dezember steigt der Wunsch nach Tieradoptionen, doch spätestens Mitte Januar kommen viele Tiere wieder zurück. Der Grund: Haustiere werden rund um die Feiertage häufig wie Saisonware behandelt und verlieren danach ihren Platz im Wohn- und Familienplan. Das bestätigte Tierpflegerin Stefanie Herzog im Gespräch mit Sachsen Fernsehen.
„Stimmung ist kein Adoptionsgrund. Nur weil man jetzt so besinnlich ist und ein Tier unbedingt noch vor Jahresende aus dem Tierheim holen möchte – das macht man nicht“, sagt Herzog im Interview. Viele unterschätzen, dass Hunde oder Katzen zehn bis fünfzehn Jahre leben und damit langfristige Verantwortung und Kosten bedeuten.
Besonders betroffen sind Kaninchen, Katzen und Kleinnager, die oft als vermeintlich einfache Kinderpräsente im Fokus stehen. Ein Beispiel: Eine Familie wollte ein Zwergkaninchen ausschließlich zu Weihnachten verschenken – das Tierheim lehnte ab. „Da sagen wir sofort Nein“, so Herzog.
Um Fehlentscheidungen zu vermeiden, gestaltet das Tierheim seine Vermittlungen bewusst verlangsamt. „Kommen, sehen, mitnehmen – das gibt es hier nicht“, erklärt Herzog. Zunächst findet ein ausführliches Vermittlungsgespräch statt. Wenn im Gespräch deutlich wird, dass ein Tier nur für die Kinder oder als Festtagsüberraschung gedacht ist, lehnt das Tierheim die Vermittlung ab. Ziel sei es, dass Tiere ihr Leben lang im neuen Zuhause bleiben – und nicht nach Weihnachten wieder abgegeben werden.
Aktuell warten in Dresden 16 Katzen und neun Kleintiere auf ein neues Zuhause. Besuche sind nur mit Termin möglich. Die Stadt unterstützt das Tierheim zusätzlich mit einer Plakatkampagne zum Thema verantwortungsvolle Tieranschaffung. Unter dem Slogan „Wir wollen keine Bescherung, sondern ein Zuhause“ erinnert die Landeshauptstadt daran, dass ein Tier keine Lücke unterm Baum füllt, sondern eine Verpflichtung über Jahre bedeutet.
Auch finanziell dürfen Tierhalter nicht blauäugig sein: Je nach Tierart entstehen monatlich zwischen 50 und 100 Euro an Futter- und Tierarztkosten. Impfungen, Parasitenbehandlungen und Notfälle kommen hinzu – gerade für Haushalte nach den Feiertagen oft eine Belastung.
Beim Rundgang durch die Hundegehege erinnert Stefanie Herzog zudem an die Ehrenamtlichen, die regelmäßig mit den Hunden spazieren gehen. Wer Tiernähe verschenken möchte, ohne ein Tier anzuschaffen, findet in festen Spazierpatenschaften eine verantwortungsvolle Alternative – und unterstützt gleichzeitig das überlastete Tierheim Dresden.