Chemnitz- Strengere Umweltauflagen setzen die Autoindustrie unter Druck. Besonders der Abrieb von Bremsen gerät mit der neuen Euro-7-Norm stärker in den Fokus. Forscher aus Chemnitz arbeiten deshalb an einer Veränderung der Bremstechnologie – und die könnte nicht nur sauberer, sondern auch langlebiger sein.
Sie ist der Gegenspieler jedes noch so starken Motors: die Bremse. Im Automobilbau ist sie ein entscheidendes Bauteil. Die dafür notwendige Technik ist – abgesehen von einigen Sportwagen – über
Jahrzehnte gleich geblieben. Das könnte sich künftig allerdings ändern. Denn mit der Abgasnorm Euro 7 rückt auch der Abrieb von Bremsen und Reifen stärker in den Fokus. Für diese sogenannten Nicht-Abgasemissionen sollen künftig strengere Grenzwerte gelten. Dementsprechend müssten die Hersteller laut Sebastian Porstmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik, im Bremsbereich umdenken.
Eine mögliche Lösung ist eine Bremsscheibe, die das Fraunhofer-Institut gemeinsam mit Zulieferern der Automobilindustrie entwickelt. Dabei geht man andere Wege als bisherige Hersteller. Im Fokus der Forschung steht Edelstahl als Material für die Bremse. Aus Sicht von Falko Wagner könnte das Konzept dazu taugen, neben der Verringerung des Abriebs, den Wartungsaufwand der Hinterradbremse deutlich zu senken. Denn Edelstahl rostet nicht und ist dadurch deutlich weniger anfällig für Korrosion. Von der Serienreife sei man allerdings laut Sebastian Porstmann noch weit entfernt. Das System funktioniere zwar bereits auf dem Prüfstand, für weitere Forschung brauche es jedoch die Unterstützung der Hersteller.
Mit einer Markteinführung ist deshalb nicht so schnell zu rechnen. Denn ein Partner für die Vorserienproduktion ist das eine – die gesamte Logistik rund um die Edelstahlbremse das andere. Ob sich die Edelstahlbremse am Ende tatsächlich auf dem Markt durchsetzt, wird sich also erst in den kommenden Jahren zeigen. Klar ist aber schon jetzt: Der Druck durch strengere Umweltauflagen zwingt die Automobilindustrie zum Umdenken – und genau darin könnte für Forschungseinrichtungen aus Sachsen eine große Chance liegen.