Mi., 27.08.2025 , 14:41 Uhr

Abstieg in Leipzigs Unterwelt

Einblicke in die Kanalisation

So sieht Leipzig von unten aus – ein Blick in die Abwasserwelt unter unseren Füßen.

Dunkel, eng und mit strengem Geruch – so sieht der Arbeitsplatz von Sven Lietzmann aus. Seit 30 Jahren steigt er regelmäßig in Leipzigs Abwasserkanäle hinab. Gemeinsam mit 76 Kolleginnen und Kollegen sorgt er dafür, dass die Abwasserentsorgung der Stadt reibungslos funktioniert. Ohne sie, wäre die sprichwörtliche Kacke tatsächlich am Dampfen.

Ein Blick unter die Stadt

Der Abstieg beginnt für uns durch einen Gully, gerade einmal 60 Zentimeter breit. Wenige Meter unter der Erde wird schnell klar, warum der Helm unverzichtbar ist: Die Decken sind niedrig, die Gänge eng, außerdem ist es stickig und warm. Der Kanal, den Lietzmann zeigt, ist noch im Originalzustand von 1910 – mal breit und niedrig, mal schmal und hoch. Insgesamt misst das Leipziger Abwassernetz rund 2.900 Kilometer, so lang wie die Strecke entlang der US-Ostküste von New York bis Miami.

Im Moment fließt hier nur häusliches Abwasser. Doch sobald es regnet, verwandelt sich der Gang in einen reißenden Strom aus Regenwasser. Dann ist ein Betreten unmöglich. Im jetzigen Zustand kommt man zu Fuß aber recht weit.

Die gesamte Innenstadt kann man theoretisch unterlaufen, weil alle großen Kanäle miteinander verbunden sind.

erklärt Lietzmann.

Typische Störungen

Nicht nur Kontrollen oder Reparaturen führen die Teams unter die Erde, sondern vor allem Störungsbeseitigungen. Häufige Ursachen sind Windeln, Feuchttücher oder Hygieneartikel, die sich nicht auflösen. Auch Essensreste landen im Kanal und locken Ratten an. Dann muss mit großen Maschinen gearbeitet werden.

Ich sage es immer bildlich: Das ist ein großer Lkw mit einem Staubsauger und einem Hochdruckreiniger – wie ein Kärcher. Damit lösen wir die Verstopfung und saugen sie anschließend ab.

Unsichtbare, aber unverzichtbare Arbeit

Zwischen Beton und Abwasser begegnen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch schon mal Tieren – Füchse, Waschbären oder sogar eine Blindschleiche wurden im Kanal gesichtet. Für die Leipzigerinnen und Leipziger bleibt die Arbeit jedoch meist unsichtbar. Doch ohne die Fachkräfte würde die Stadt regelmäßig von Verstopfungen und Überschwemmungen getroffen – und Leipzigs Abwasser würde nicht mehr zuverlässig verschwinden.