Chemnitz- Vier Jahre lang wohnen, ohne sich Gedanken über die nächste Nebenkostenabrechnung machen zu müssen – klingt fast zu schön, um wahr zu sein. In Chemnitz soll genau das jetzt möglich werden: eine feste Miete, in der Heizung, Warmwasser und Strom bereits einkalkuliert sind.
Eine Wohnung, bei der die Nebenkosten nicht spontan in die Höhe schießen, oder nach einem Jahr die böse Überraschung im Briefkasten liegt? In diesem Chemnitzer Plattenbau soll genau das möglich werden. Hier heißt es: 4 Jahre lang wird eine Pauschalmiete gezahlt, wobei Heiz- und Energiekosten bereits einkalkuliert sind. Vergleichbar mit einem Handyvertrag: Wer im vereinbarten Rahmen bleibt, zahlt jeden Monat denselben Betrag. Wer deutlich mehr verbraucht, muss für den zusätzlichen Energieverbrauch zahlen. Dafür wurde ein DDR-Plattenbau im Kappler Stadtgarten komplett neu gedacht. Aus einem Serienbau sind für rund 2 Million Euro zehn moderne Wohnungen entstanden. Das Gebäude wurde energetisch umfassend saniert – mit Photovoltaik, Batteriespeicher und Infrarotheizungen. Mehr als die Hälfte der benötigten Energie soll künftig direkt vor Ort aus erneuerbaren Quellen kommen. Statt den alten Plattenbau abzureißen, setzt die WCW also auf den Bestand. Das Konzept stammt von Energieexperte Prof. Timo Leukefeld.
Für die Bewohner bedeutet diese Energie Flatrate das vor allem planbare Kosten, denn steigende Energiepreise sollen sie zunächst nicht direkt treffen. Doch hinter dem scheinbar einfachen Prinzip steckt eine ziemlich genaue Rechnung. Denn vorher muss klar sein, wie viel Energie das Gebäude tatsächlich produziert und wie viel die Bewohner verbrauchen.
Das Gebäude soll sich künftig zu mehr als der Hälfte selbst mit regenerativ erzeugter Energie versorgen. Gleichzeitig soll die Pauschalmiete für die Bewohner bezahlbares und planbares Wohnen ermöglichen. Ganz ohne Grenzen funktioniert die Energie-Flatrate allerdings nicht. Laut Vorständin Elvira Gallas gibt es großzügig bemessene Verbrauchsobergrenzen. Wer deutlich mehr Energie verbraucht, muss den zusätzlichen Strom separat bezahlen.
Das Prinzip bleibt damit tatsächlich vergleichbar mit einem Handyvertrag: ein fester Grundpreis – und wer deutlich mehr verbraucht, zahlt für das Extra. Für die WCW geht es bei dem Projekt allerdings um mehr als Photovoltaik und neue Heiztechnik. Der Plattenbau selbst soll zeigen, dass auch ältere Gebäude energetisch fit für die Zukunft gemacht werden können.
Ob das Konzept auch im Alltag aufgeht, muss sich jetzt zeigen. Die erste Heizperiode wird zeigen, wie viel Energie tatsächlich gebraucht wird und ob die Berechnungen mit der Realität übereinstimmen. Anschließend will die WCW entscheiden, ob sich das Modell "Haus Sonne" auch auf weitere Gebäude übertragen lässt. Aus dem alten Plattenbau wird damit ein Praxistest für eine neue Form des Wohnens: feste Kosten, eigene Energie – und ein klar kalkulierter Verbrauch.