Di., 03.03.2026 , 16:12 Uhr

Neben der Möglichkeit, Fragen zu stellen, sind auch Dialog- und Begegnungsformate vorgesehen, die insbesondere an den Interventionsflächen der Kulturhauptstadt 2025 stattfinden sollen.

Europa vor Ort -  Wie ein Büro in Chemnitz die EU erklären will

Chemnitz- Europa wirkt für viele weit weg – politisch, bürokratisch, kompliziert. In Chemnitz soll jetzt ein neues Angebot vermitteln – mit dem Ziel, Distanz abzubauen und Debatten neu zu beleben. 

Es ist ein unscheinbares Büro abseits des Besucherstroms im Chemnitzer Tietz gelegen, das ab sofort eine der großen gesellschaftspolitischen Fragen angehen will. Mit der Eröffnung des sogenannten Europe Direct Zentrums existiert nun mitten im Stadtzentrum ein Ort, der sich als Bindeglied zwischen der Europäischen Union und den Bürgern versteht und vor Ort unter anderem Fragen zur EU-Politik und deren Programmen beantworten und so Politverdrossenheit vorbeugen will. Das Ganze soll allerdings keine Einbahnstraße sein. Für Ralph Burkhardt, Finanzbürgermeister der Stadt Chemnitz, bietet das Büro die Möglichkeit, eben auch einmal zu formulieren, was sich Chemnitzer und Chemnitzerinnen von Brüssel wünschen – aus Sicht des CDU-Politikers ein wichtiger Schritt hin zu mehr Europa, das Deutschland und damit auch die Kulturhauptstadt 2025 brauche. Politikverdrossenheit  halten Experten mitunter für den Nährboden der Proteste in Chemnitz, die – ins Roadbook gegossen – den Titel Kulturhauptstadt 2025 erst möglich machten. Long story short: Das Zentrum wäre auch acht Jahre früher keine falsche Investition gewesen.

Die jetzige zeitliche Reihenfolge mache allerdings aus Sicht von Andy Jahns, Abteilungsleiter Europa und Internationale Beziehungen in der Sächsischen Staatskanzlei, trotzdem Sinn. Denn die Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 habe das Thema Europa in der alten Industriestadt erst richtig aufgebrochen – die Bürgerinnen und Bürger der Stadt hätten jetzt mehr Bewusstsein für Europa. Ansprechpartnerin für all die Fragen der Chemnitzerinnen und Chemnitzer ist Trina Winkel. Als Koordinatorin des Garagen-Campus ist die Projektleiterin keine Unbekannte in der Stadt. Den ersten Gästen habe sie im Europe-Direct-Zentrum schon aushelfen können – vor allem mit den Öffnungszeiten der Einrichtung. Denn die Fragesteller waren eine Spur zu früh dran. Auf alles habe sie natürlich keine Antwort – hinten runter falle aber nichts. Im Kontakt mit einem Vertreter der Europäischen Union würden derartige Dinge regelmäßig besprochen.

Neben der Möglichkeit, Fragen zu stellen, sind auch Dialog- und Begegnungsformate vorgesehen, die insbesondere an den Interventionsflächen der Kulturhauptstadt 2025 stattfinden sollen. Gleichzeitig steht das Projekt vor einer zentralen Aufgabe: komplexe EU-Themen und tiefgreifende Transformationsprozesse verständlich zu erklären, die Bevölkerung aktiv in den Austausch einzubeziehen – und so demokratische Strukturen langfristig zu stärken