Mo., 25.08.2025 , 17:12 Uhr

Wirtschaft, Leipzig, Graßdorf

Fachkräftemangel in der Gastronomie: Wer will noch kellnern?

In Sachsens Gastronomie fehlen weiterhin tausende Fachkräfte – auch rund um Leipzig. Das „Gut Graßdorf“ zeigt, wie kreative Ideen und Social Media helfen können, Menschen für den Serviceberuf neu zu begeistern.

Kellnern – ein Job, den scheinbar kaum noch jemand machen will. Lange Schichten, hoher Zeitdruck und oft niedrige Löhne haben das Image der Branche geschwächt. Doch ohne Fachkräfte steht die Gastronomie still. Wie also kann man Menschen wieder für diesen Beruf begeistern? Ein Landgasthof bei Leipzig zeigt, wie es gehen kann.

In Sachsen fehlen weiterhin tausende Fachkräfte in Hotels und Gaststätten. Zwar ist die Zahl der unbesetzten Stellen bundesweit zuletzt leicht zurückgegangen, doch die Branche bleibt unter Druck. Besonders im Service klaffen große Lücken. Auch das „Gut Graßdorf“ in Taucha ist betroffen.

„Dieser Fachkräftemangel herrscht in jeder Branche – und auch wir spüren ihn deutlich“, sagt Margot Witt, die den Landgasthof mitführt. „Der Gast möchte ja auch Qualität und einen super Service haben. Und das geht nur mit ausreichend Personal.“

Das traditionsreiche Haus ist mehr als ein Restaurant. Es bietet Hochzeiten, Konzerte und Catering bis hin zu großen Stadtfesten in Leipzig. Doch gerade die Vielseitigkeit des Angebots erfordert verlässliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Viele Servicekräfte haben der Branche während der Corona-Pandemie den Rücken gekehrt. „Corona war ein absoluter Game Changer“, so Witt. „Viele Kollegen haben sich umorientiert und sind in anderen Berufen sesshaft geworden. Sie wieder zurückzuholen, ist sehr schwierig.“

Dass der Job auch Chancen bietet, zeigt das Beispiel von Tommy Lee. Der 19-Jährige arbeitet seit drei Jahren im Service und absolviert seit einem Jahr ein duales Studium im Unternehmen. „Mich fasziniert die Abwechslung – Hochzeiten, Schulanfänge, Trauerfeiern, Stadtfeste, Fußballspiele. Kein Tag ist wie der andere, und das macht mir sehr viel Spaß.“

Um neue Menschen für diesen Beruf zu begeistern, setzt das Gut Graßdorf inzwischen auf Social Media. Mitarbeiter erzählen dort in kurzen Clips, warum Gastronomie mehr sein kann als ein Nebenjob. „Die klassische Zeitungsannonce liest heute kaum noch jemand“, sagt Witt. „Menschen erreichst du am besten über Social Media – und oft eher über eine kurze Story als über lange Texte.“

Die Resonanz zeigt: Social Recruiting kann wirken. Zugleich wird die Online-Präsenz zur Visitenkarte des Hauses. „Wir haben ein super Gefüge im Team – fast stärker ausgeprägt als in mancher Familie. Wir halten hier alle zusammen“, so Witt.

Das Gut Graßdorf beweist: Auch wenn die Lage auf dem Arbeitsmarkt angespannt bleibt, kreative Ansätze können helfen, neue Fachkräfte zu gewinnen. Und vielleicht wird das Beispiel aus Taucha bald auch für andere Leipziger Betriebe zum Vorbild.