Chemnitz- Alles schien besiegelt: Ein 100 Jahre alter Ahorn sollte fallen, damit eine Tiefgarage entstehen kann. Doch der Baum steht bis heute. Das liegt an Anwohnern, die ihn retten wollen – und an einer unerwarteten Kandidatin im Geäst: der Fledermaus.
Streit um 100 Jahre alten Baum in Chemnitz. Auf einem Grundstück soll eine Tiefgarage entstehen. Im Zuge der Bauarbeiten sollte der Ahorn eigentlich gefällt werden – die Genehmigung der Stadt lag bereits vor. Der Termin stand, die Kettensäge war geölt, doch der Baum steht bis heute. Denn eine Eigentümergemeinschaft will das Gehölz retten und besetzte es kurzerhand. Mit Erfolg: Die Fällung blieb aus. Und das könnte noch eine ganze Weile so bleiben. Nach Angaben von Elzbeta Laabs, Initiatorin der Aktion, sei ein Baumgutachten fehlerhaft und müsse nun erneuert werden. Zudem fehlt ein wichtiges Dokument: Bisher sei nicht geprüft worden, ob geschützte Arten wie Fledermäuse den Baum bewohnen. Das bedeutet wohl Galgenfrist für den 100 Jahre alten Baum. Denn für eine Fledermausprüfung muss dieser blattlos sein – und das ist naturgemäß erst im Herbst der Fall. Ob der Ahorn erhalten werden kann, steht dennoch in den Sternen. Ein prominentes Beispiel liefert die Waldschlößchenbrücke in Dresden: Auch dort wurde der Bau wegen angeblicher Fledermäuse gestoppt, letztlich entschied ein Gericht für den Weiterbau – und die Brücke überspannt heute die Elbe. Wie der Chemnitzer Fall ausgeht, ist ungewiss. Doch es spricht einiges dafür, dass am Ende Gerichte über das Schicksal des Ahorns entscheiden müssen.