Mo., 13.04.2026 , 16:36 Uhr

Ein Leben im Exil

Fred Stein in Leipzig: Bilder aus dem Exil berühren bis heute

Zwei Ausstellungen - Ein Leben. In Leipzig wird in einer neuen Ausstellung das Werk von Fred Stein und seine Zeit im Exil gezeigt. Eine Ausstellung, die nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern bis heute zum Nachdenken anregen soll.

Ein Fotograf kehrt zurück

Leipzig wird in diesen Wochen zum Erinnerungsort. Gleich zwei Ausstellungen widmen sich dem deutsch-amerikanischen Fotografen Fred Stein. Im Capa-Haus und in der Deutschen Nationalbibliothek wird sein Werk neu entdeckt und neu eingeordnet.

Für seinen Sohn ist das mehr als nur Kulturprogramm.

„It makes me very private happy… to come back to Leipzig… and see his pictures here“, sagt Peter Stein. Er ist in New York aufgewachsen, arbeitet dort als Kameramann – und setzt sich seit Jahren dafür ein, das Werk seines Vaters bekannter zu machen.

Vom Juristen zum Fotografen im Exil

Fred Stein wird 1909 in Dresden geboren und studiert Jura in Leipzig. Doch seine Karriere endet abrupt. 1933 wird er von den Nationalsozialisten aus dem Staatsdienst entlassen – als Jude und politisch Engagierter. Er flieht nach Paris.

Dort beginnt er zu fotografieren. Was zunächst aus der Not entsteht, entwickelt sich schnell zu einer künstlerischen Handschrift. Stein wird zu einem Pionier der Kleinbildfotografie.

Nah dran am Menschen

„Er hatte ein besonderes Gespür für sehr menschliche, sehr nahe Aufnahmen“, erklärt Kurator Tim Rood
vom Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig. Stein fotografiert das Leben im Exil: Straßenszenen, Begegnungen, Alltag. Seine Bilder wirken direkt – oft ungestellt, spontan, nah.

Bekannt wird er auch durch Porträts berühmter Persönlichkeiten wie Hannah Arendt oder Albert Einstein. Doch im Zentrum stehen häufig die weniger Sichtbaren.

Flucht als zentrales Motiv

Ein Schwerpunkt der Ausstellung im Capa-Haus liegt auf Fotografien aus dem Spanischen Bürgerkrieg.
„Wir stellen vor allem Geflüchtete und verschickte Kinder aus“, sagt Rood. Diese Kinder wurden vor den Kämpfen nach Frankreich gebracht. Steins Bilder zeigen sie in einemMoment zwischen Unsicherheit und Hoffnung.

Zwei Ausstellungen, zwei Perspektiven

Während das Capa-Haus einzelne Themen vertieft, zeigt die Deutsche Nationalbibliothek das gesamte Exilleben. Dort leitet Sylvia Asmus das Deutsche Exilarchiv. Für sie ist Steins Werk mehr als Dokumentation: „Er hat unglaublich beeindruckende Fotografien gemacht… mit einem sehr humanistischen Blick.“

Warum die Bilder heute wichtig sind

Steins Fotografien sind nicht nur historisch relevant. Sie treffen auch einen Nerv der Gegenwart. „Das Exil ist kein vergangenes Thema“, sagt Asmus.
„Viele Menschen sind heute gezwungen, ihre Heimat zu verlassen.“ Diese Parallelen machen die Ausstellung besonders eindringlich.

Für Leipzig hat die Ausstellung eine besondere Bedeutung. Hier hat Fred Stein studiert. Hier begann sein Weg – bevor er ins Exil gezwungen wurde.
Heute kehrt er symbolisch zurück. Mit Bildern, die zeigen, was Exil bedeutet. Und warum es uns bis heute betrifft.