Mo., 16.03.2026 , 16:41 Uhr

Für die frischgebackenen Gesellinnen und Gesellen beginnt mit der Freisprechung ein neuer Lebensabschnitt

Freisprechung - Handwerk begrüßt 80 neue Gesellinnen und Gesellen

Chemnitz- Sie haben gelernt, geprüft und durchgehalten – jetzt beginnt für viele junge Handwerkerinnen und Handwerker ein neuer Lebensabschnitt. Doch während die Betriebe dringend Nachwuchs brauchen, locken andere Branchen oft mit besseren Angeboten.

Feierstunde am Freitagabend im Pentagon in Chemnitz: Die Gesellinnen und Gesellen der Elektro-Innung Südsachsen sowie der SHK-Innung Chemnitz wurden freigesprochen. Eine feierliche Tradition im Handwerk, bei der Auszubildende nach bestandener Prüfung aus der Lehre entlassen und in den Gesellenstand erhoben werden.

80 Gesellenbriefe lagerten insgesamt in der sogenannten Innungslade. Die auch „Zunfttruhe“ genannte Box war früher das Herzstück jeder Innung. Während es damals noch zwei Personen brauchte, um die Lade zu öffnen, genügte am Freitag der Auftritt von Innungsobermeister Uwe Bräutigam. Der Unternehmer zeigte sich im Interview mit Sachsen Fernsehen erfreut über die Vielzahl an Freizusprechenden. In Zeiten des Fachkräftemangels ein wichtiges Zeichen. Gesellen würden wieder leicht ansteigen.

Wo Licht ist, ist auch der Schatten meist nicht weit. Zwar sei der Anstieg der Gesellenzahlen ein erfreuliches Signal für das Handwerk, wirklich beruhigen könne das den Innungsobermeister jedoch nicht. Denn noch sei ungewiss, wie viele der frisch freigesprochenen Gesellinnen und Gesellen dem Handwerk tatsächlich langfristig treu bleiben und ihre Zukunft in einem Handwerksbetrieb sehen.

Als eine der größten Herausforderungen nennt Innungsobermeister Bräutigam dabei vor allem die Konkurrenz großer Industriebetriebe. Diese würden viele junge Fachkräfte mit attraktiven Gehältern und sicheren Perspektiven locken. Das sei, auch mit Blick auf den strauchelnden VW-Konzern, nicht immer der richtige Ansatz. Außerdem lasse sich auch im Handwerk gutes Geld verdienen. Und trotz allem verliere die Branche immer wieder qualifizierte Nachwuchskräfte an die Industrie – Fachkräfte, die in den Betrieben der Region eigentlich dringend gebraucht werden.

Trotz all dieser Herausforderungen stand an diesem Abend vor allem eines im Mittelpunkt: der erfolgreiche Abschluss der Ausbildung. Für die frischgebackenen Gesellinnen und Gesellen beginnt mit der Freisprechung ein neuer Lebensabschnitt. Und wenn es nach Innungsobermeister Uwe Bräutigam geht, gern auch in den Handwerksbetrieben der Region – damit dieses auch in Zukunft stark bleibt und genügend Fachkräfte für die kommenden Aufgaben hat.