Fr., 02.01.2026 , 18:14 Uhr

Leipzig

Geböllert, eskaliert und weggeräumt – auf wessen Kosten Leipzig Silvester feiert

Explosionen, Schreie, Feuerwerk mitten in Menschenmengen. In der Silvesternacht wird an Brennpunkten wie dem Augustusplatz und dem Connewitzer Kreuz gezündet, oft ohne Abstand, teils illegal, teils außer Kontrolle. Was für viele scheinbar nach einer Feiernacht aussieht, wird für Einsätzkräfte von der Stadtreinigung Leipzig zur gefährlichen Arbeit.

Explosionen, Schreie, Feuerwerk mitten in Menschenmengen. In der Silvesternacht wird an Brennpunkten wie dem Augustusplatz und dem Connewitzer Kreuz gezündet, oft ohne Abstand, teils illegal, teils außer Kontrolle. Was für viele nach ausgelassener Feiernacht aussieht, wird für andere zur gefährlichen Arbeit.

„Wir hatten Situationen, dass Passanten Feuerwerkskörper auf Kolleginnen und Kollegen geschmissen haben“, sagt Katja Wehnert von der Stadtreinigung Leipzig. Szenen, die zeigen, wie aggressiv und unberechenbar die Nacht stellenweise verläuft.

Nur wenige Stunden später das komplette Kontrastprogramm. Während die Stadt noch schläft, beginnt für rund 60 Mitarbeitende der Stadtreinigung der Einsatz. Sechs Uhr morgens am Augustusplatz: Raketenreste, Blindgänger, Glasscherben. Was nachts eskaliert ist, liegt jetzt auf der Straße – und muss von Hand beseitigt werden.

„In den ersten Stunden des neuen Jahres geht es natürlich darum, die Innenstadt wieder auf Vordermann zu bringen“, erklärt Katja Wehnert von der Stadtreinigung Leipzig. „Augustusplatz, Marktplatz und alle angrenzenden Seitenstraßen müssen vom Silvestermüll befreit werden.“

Bis zum Vormittag soll das Herz der Stadt wieder sauber sein. Doch wie groß der Aufwand tatsächlich wird, lässt sich im Vorfeld kaum planen. „Wir wissen eigentlich gar nicht so richtig, was wir da planen – wie viel Müll finden wir vor, welche Gegebenheiten“, sagt Wehnert.

Die Silvesternacht 2025/2026 war in Leipzig alles andere als ruhig. Rund 320 Polizeieinsätze binnen zwölf Stunden, Angriffe auf Rettungskräfte, illegale Pyrotechnik, brennende Barrikaden – unter anderem in Connewitz, auf der Eisenbahnstraße und am Augustusplatz. Die Folgen dieser Nacht zeigen sich am Morgen danach.

Besonders gefährlich sind nicht abgebrannte Feuerwerkskörper. „Zu beachten gilt es Blindgänger, schwere Batterien und Glas“, sagt Katja Wehnert von der Stadtreinigung Leipzig. „Der Silvestermüll ist kein normaler Abfall – er ist teilweise gefährlich.“

Deshalb werden die Einsätze vorbereitet, Mitarbeitende sensibilisiert, Abläufe klar geregelt. „Die Kolleginnen und Kollegen werden im Vorfeld darüber informiert, besonders Obacht zu geben und sich gegenseitig im Blick zu behalten“, erklärt Wehnert. „Aber trotz aller Belehrung bleibt ein Restrisiko.“

Mit fünf bis sechs Kehrmaschinen arbeitet sich die Stadtreinigung durch die Innenstadt. „Wir haben Großkehrmaschinen und Kleinkehrmaschinen im Einsatz“, so Katja Wehnert. Gegen acht Uhr morgens zeigt sich auf dem Marktplatz bereits ein anderes Bild. „Die größten Verunreinigungen sind jetzt schon weg. Die Großkehrmaschine fährt hier noch die letzten Runden.“

Was viele nicht wissen: Der eingesammelte Müll wird nicht recycelt. Er gilt als Sondermüll und wird verbrannt. Im vergangenen Jahr kamen rund 20 Kubikmeter Silvesterabfälle zusammen – sechs bis sieben Tonnen. Auch in diesem Jahr rechnet die Stadtreinigung Leipzig mit einem ähnlichen Aufkommen. Allein die Entsorgung kostet die Stadt rund 12.000 Euro.

Ein Teil dieser Kosten ließe sich vermeiden. „Wenn man fünf Raketen losgelassen hat und fünf andere Stäbe mitnimmt, dann ist jedem schon ein Stück weit geholfen“, sagt Katja Wehnert von der Stadtreinigung Leipzig.

Fest steht: Die Silvesternacht hinterlässt Spuren. Getragen wird diese Feiernacht von denen, die morgens um sechs für ihre Überreste Verantwortung übernehmen. Sachsen-Fernsehen-Reporter Jonas Juckeland hat die Alltagshelden der Stadtreinigung Leipzig in der Neujahrsnacht exklusiv begleitet.