Der Leipziger Hauptbahnhof gilt laut Kriminalstatistik als der Bahnhof mit den meisten registrierten Gewaltdelikten in Deutschland. Im vergangenen Jahr wurden dort rund 860 Gewaltdelikte erfasst. Stadt, Bahn und Polizei reagieren nun mit einer neuen Sicherheitsstrategie.
Künftig sollen sogenannte Quattro-Streifen im und rund um den Hauptbahnhof unterwegs sein. Dabei gehen Bundespolizei, Landespolizei Sachsen, der Stadtordnungsdienst Leipzig und die DB-Sicherheit gemeinsam auf Streife.
Ziel ist es, schneller reagieren zu können und die Zusammenarbeit zwischen den Behörden zu verbessern.
„Wir schaffen es damit, Zuständigkeitsgrenzen zu überwinden“, sagt Markus Pfau, Leiter der Bundespolizeiinspektion Leipzig.
Durch die gemeinsame Streife sollen Kompetenzen gebündelt werden. Während die DB-Sicherheit vor allem das Hausrecht im Bahnhof durchsetzt, können Polizei und Ordnungsdienst auch außerhalb des Gebäudes tätig werden.
Die Sicherheitskräfte wollen dadurch schneller handeln können – ohne erst Zuständigkeiten klären zu müssen.
Gleichzeitig bleiben auch verdachtsunabhängige Kontrollen am Bahnhof möglich. Diese seien laut Bundespolizei Teil der Sicherheitsstrategie an stark frequentierten Verkehrsknotenpunkten.
Auch die Deutsche Bahn kündigt weitere Maßnahmen an. Bereits jetzt sind im Leipziger Hauptbahnhof rund 130 Kameras installiert.
„Wir wollen durch mehr Präsenz natürlich das Sicherheitsgefühl verbessern“, sagt Christian Schulz, Bahnhofsmanager der DB InfraGO AG in Leipzig.
Neben zusätzlichem Sicherheitspersonal setzt die Bahn auch auf neue Technik. Dazu gehören unter anderem Bodycams für Mitarbeitende sowie weitere Präventionsmaßnahmen.
Viele Reisende am Leipziger Hauptbahnhof bewerten die Situation allerdings weniger kritisch als die Statistik vermuten lässt.
„Ich habe eigentlich keine Angst. Ich fühle mich sicher“, sagt eine Passantin im Gespräch mit Sachsen Fernsehen.
Auch andere Reisende erklären, sie würden sich am Leipziger Hauptbahnhof nicht unsicherer fühlen als an anderen großen Bahnhöfen.
Die sogenannten Quattro-Streifen sind kein völlig neues Konzept. Vergleichbare gemeinsame Streifenmodelle gibt es bereits an den Hauptbahnhöfen in Hamburg und Bremen.
Dort berichten Behörden von einem Rückgang der Gewaltdelikte um etwa ein Viertel.
Ob ein ähnlicher Effekt auch in Leipzig eintritt, lässt sich derzeit noch nicht sagen.
„Ob die Zahlen künftig deutlich sinken, wäre unseriös vorherzusagen“, erklärt Bundespolizei-Chef Pfau. Zu viele Faktoren könnten die Entwicklung beeinflussen.