Mi., 12.11.2025 , 17:21 Uhr

Leipzig

Gefahr Sodbrennen: Leipziger Forscher warnen vor Speiseröhrenkrebs

Keine Schmerzen, keine Warnzeichen – und plötzlich die Diagnose: Speiseröhrenkrebs. Eine Krankheit, die lange unentdeckt bleibt und immer mehr Menschen betrifft, wie Forscher warnen.

Glenn aus Leipzig hat die Diagnose zufällig erfahren – bei einer Routine-Magenspiegelung. „Ich habe gar nichts gemerkt“, erzählt der ehemalige Maler. Der Schock saß tief: „Das ist wirklich so wie eine Ohnmacht. Ich brauchte erst einmal zwei Stunden für mich allein, um das zu begreifen.“

Speiseröhrenkrebs ist eine Erkrankung, die auf dem Vormarsch ist. Rund 8.000 bis 9.000 Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland daran – Tendenz steigend. Warum das so ist, untersucht Dr. René Thieme am Universitätsklinikum Leipzig. Der Wissenschaftler forscht an den Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten dieser heimtückischen Krebsart.

„Wir sehen, dass Faktoren wie Übergewicht, genetische Vorbelastung und insbesondere Sodbrennen eine große Rolle spielen“, erklärt Thieme. Der Rückfluss von Magensäure schädigt die Zellen in der Speiseröhre – und kann langfristig Krebs begünstigen. Der verbreitete Glaube, heiße Getränke seien der Hauptauslöser, gilt hingegen als Mythos.

Am Universitätsklinikum Leipzig wird seit Jahren intensiv geforscht, unter anderem im Rahmen der Barrett-Initiative e.V., einem internationalen Netzwerk von Ärzten und Wissenschaftlern. Ziel ist es, die Entstehung von Speiseröhrenkrebs besser zu verstehen und Therapien gezielter anzupassen.

Für Glenn war die Therapie ein langer Weg: fünf Wochen Chemobestrahlung, anschließend eine Operation, bei der seine Speiseröhre entfernt und ein „Schlauchmagen“ geformt wurde. Heute gilt er als geheilt – auch dank medizinischer Fortschritte. „Ohne die Forschung wären wir nicht so weit“, sagt er.

Im Labor der Uni Leipzig untersucht Dr. Thieme, warum manche Patienten gut auf Chemotherapien ansprechen – und andere kaum. „Wir vergleichen Gewebeproben und suchen nach den Unterschieden im Zellverhalten“, erklärt er.

Neben neuen Behandlungsmethoden spielt die Prävention eine entscheidende Rolle: gesunde, gemüsereiche Ernährung, Bewegung und Gewichtsreduktion. Denn wer dauerhaft unter Sodbrennen leidet, sollte das ernst nehmen und ärztlich abklären lassen.

Forschung wie die von Dr. Thieme ist auf Unterstützung angewiesen – auch durch Spenden. So wird etwa eine Doktorandin über Erlöse aus den „Barrett-Charity-Dinnern“ finanziert.

Glenn selbst will andere sensibilisieren: „Viele unterschätzen das Thema Sodbrennen. Dabei wissen die meisten gar nicht, wie gefährlich das werden kann.“

Aufklärung, Forschung, Prävention – drei Worte, die Leben retten können.