Sa., 23.05.2026 , 15:41 Uhr

Keine roten Ampeln mehr dank Verkehrsapp?

Grüne Welle per App?

Eine neue Verkehrsapp soll Leipzigs Ampeln berechenbarer machen. Doch wie gut funktioniert der digitale Ampelassistent im Alltag?

Rund zwei Wochen unseres Lebens verbringen wir im Schnitt wartend an roten Ampeln. Mehr als 20.000 Minuten Stillstand. Auch in Leipzig gehört das Stop-and-go an Kreuzungen für viele zum Alltag. Genau hier setzt eine neue Verkehrsapp an. Sie soll anzeigen, wann die nächste Ampel voraussichtlich auf Grün springt und welches Tempo helfen kann, ohne unnötigen Stopp durchzukommen.

Seit Ende April ist der digitale Ampelassistent im gesamten Leipziger Stadtgebiet nutzbar. Zuvor war das System bereits in der Südvorstadt und am Innenstadtring im Einsatz. Inzwischen fließen Daten aus rund 300 Ampelanlagen in die Anwendung ein. Insgesamt gibt es in Leipzig etwa 450 Ampeln. Nicht jede Anlage kann bereits eingebunden werden, denn dafür braucht es entsprechende technische Schnittstellen.

Was trafficpilot leisten soll

Die Idee hinter der App ist einfach: Wer früher weiß, wann eine Ampel umschaltet, kann vorausschauender fahren. Statt hektisch zu beschleunigen und kurz darauf wieder an Rot zu stehen, sollen Nutzer ihr Tempo anpassen und gleichmäßiger durch die Stadt kommen. Das soll nicht nur den Verkehrsfluss verbessern, sondern auch Kraftstoffverbrauch, Lärm und Schadstoffemissionen reduzieren.

Michael Jana, Leiter des Mobilitäts- und Tiefbauamts Leipzig, ordnet das Projekt in die Mobilitätsstrategie 2030 plus der Stadt ein. Ziel sei es, den Umweltverbund zu fördern, den Radverkehr und den öffentlichen Nahverkehr einzubeziehen und zugleich auch im Autoverkehr Umweltziele zu erreichen. Durch gleichmäßiges Fahren könnten weniger Schadstoffe und weniger Lärm entstehen.

Die App nutzt die Positionsdaten der Nutzerinnen und Nutzer und zeigt die Schaltzeit der nächstgelegenen Ampel an. Zusätzlich gibt trafficpilot eine Geschwindigkeitsempfehlung. Das System unterscheidet dabei zwischen Auto und Fahrrad. Ziel sei laut Jana ein gleichmäßiger Verkehrsfluss.

300 Ampeln liefern bereits Daten

Damit die App funktioniert, werden Daten aus den Ampelanlagen im zentralen Verkehrsrechner zusammengeführt. Dort werden Prognosen berechnet und anschließend in der App ausgespielt. Rund 300 von etwa 450 Leipziger Ampelanlagen sind aktuell technisch in der Lage, ihre Daten in das System einzuspeisen. Bei älteren Anlagen fehlen teilweise noch die notwendigen Schnittstellen. Auch Baustellenampeln, die nur vorübergehend im Einsatz sind, liefern keine Prognosedaten.

Die Anwendung hat insgesamt 350.000 Euro gekostet. 227.500 Euro davon wurden durch das Bundesministerium für Verkehr gefördert. Die laufenden Kosten liegen bei rund 24.000 Euro pro Jahr. Die App ist kostenlos im Google Playstore und im Apple App Store verfügbar.

Der Test im Leipziger Stadtverkehr

Im Selbsttest zeigt sich: Die Verkehrsapp kann im Stadtverkehr eine Orientierung geben, wenn die Prognose stimmt. Die App macht sichtbar, ob es sich lohnt, das Tempo zu halten, früher vom Gas zu gehen oder entspannter an eine Kreuzung heranzufahren. Gerade auf Strecken mit mehreren Ampeln kann das helfen, den eigenen Fahrstil anzupassen.

Gleichzeitig wird deutlich: Die App löst das Ampelproblem nicht allein. Entscheidend bleibt immer die echte Ampel auf der Straße. Denn Leipzigs Ampeln laufen nicht überall nach einem festen Plan. Viele Anlagen reagieren auf den aktuellen Verkehr, auf Busse und Straßenbahnen oder auf Fußgänger, die Grün anfordern. Dadurch kann sich eine Prognose kurzfristig ändern.

Jana macht deutlich, dass Ampelprognosen grundsätzlich schwierig seien. Gerade bei Eingriffen durch den ÖPNV oder bei Anforderungstastern für Fußgänger könne es vorkommen, dass die Vorhersage nicht stimme. Für Verkehrsteilnehmer gelte deshalb weiterhin die Ampelanzeige vor Ort und nicht allein die Anzeige des Assistenzsystems.

Ein System, das weiterentwickelt wird

Auch die Genauigkeit des eigenen Handys spielt eine Rolle. An großen Kreuzungen kann es passieren, dass die Position nicht sofort eindeutig erkannt wird oder nach dem Abbiegen kurzzeitig noch eine Ampel angezeigt wird, die eigentlich nicht mehr relevant ist. Laut Jana beobachtet die Stadt deshalb, welche Qualität das System liefert. Mit der Zeit soll sich die Anwendung weiter verfeinern.

Langfristig könnten die Prognosedaten nicht nur auf dem Smartphone angezeigt werden. Die Stadt bereitet die Daten auch für erste Autohersteller vor, damit die Funktion perspektivisch direkt in Bordsysteme integriert werden kann. Auch für Busse, Straßenbahnen und perspektivisch autonome Fahrzeuge sieht die Stadt Einsatzmöglichkeiten.

Fazit: Digitale Hilfe mit offenen Fragen

trafficpilot ist damit vor allem ein Anfang. Ein digitaler Helfer für den Leipziger Stadtverkehr, der noch zeigen muss, welchen Unterschied er im Alltag wirklich macht. Entscheidend wird nicht nur sein, wie zuverlässig die Technik arbeitet, sondern auch, wie viele Menschen die App tatsächlich nutzen und ihr Fahrverhalten danach ausrichten.