So., 10.08.2025 , 17:29 Uhr

Somali-Wildesel Nachwuchs in Chemnitz

Hoffnung auf vier Hufen

Chemnitz – Ein bedeutsamer Moment für den Artenschutz: Im Zoo wurde erneut Nachwuchs bei den stark bedrohten Somali-Wildeseln verzeichnet.

Die Geburt erfolgte vermutlich während der Nachtstunden – wie bei vielen Wildtieren typisch. Das Fohlen kam gesund zur Welt, und die junge Mutterstute meisterte ihre neue Rolle instinktiv. Gerade bei Erstgebärenden ist dies nicht selbstverständlich. Entscheidend für die gesunde Entwicklung sind die ersten Stunden nach der Geburt: Das Fohlen muss aufstehen, laufen lernen, das Euter finden und trinken. Ebenso wichtig ist die ungestörte Mutter-Kind-Bindung – ein natürlicher Prozess, der durch Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten gefördert wird.

In den ersten Tagen wird das Jungtier vor dem Besucherverkehr geschützt, um Stress zu vermeiden und eine stabile Bindung zur Mutter zu ermöglichen. Der Hengst wird zunächst separat gehalten. Bei Somali-Wildeseln handelt es sich nicht um Herdentiere im klassischen Sinne; die Sozialstruktur ist deutlich lockerer. Vor allem rund um die sogenannte Fohlenrosse – eine frühe Brunstphase nach der Geburt – kann es im Beisein des Hengstes zu unruhigem, teils aggressivem Verhalten kommen. Erst wenn das Fohlen kräftig genug ist, wird der Hengst wieder in die Gruppe integriert.

Die Geburt weiblicher Nachkommen ist für die Erhaltungszucht besonders wertvoll, denn sie tragen langfristig zur Sicherung der Art bei. Somali-Wildesel gelten als akut bedroht. In der Wildnis leben heute schätzungsweise weniger als 200 Tiere. Umso bedeutender sind erfolgreiche Nachzuchten in zoologischen Einrichtungen. Weltweit existieren nur etwa 270 Individuen in menschlicher Obhut, davon allein 170 in Europa. Der Tierbestand in den Zoos geht auf nur wenige Ursprungstiere zurück – entsprechend sensibel ist die genetische Situation.

Deshalb kooperieren Zoos weltweit im Rahmen europäischer und internationaler Erhaltungszuchtprogramme (EEP/ISB). Die Koordination erfolgt mithilfe moderner Datenbanken, die Abstammungslinien dokumentieren, genetische Vielfalt sichern und gezielte Empfehlungen für die Zuchtpartner geben. Der Zoo Chemnitz spielt dabei eine wichtige Rolle: Mit mittlerweile 18 erfolgreichen Nachzuchten zählt er zu den erfahrensten Haltern dieser Tierart.

Langfristig ist auch eine mögliche Rückkehr in die ursprüngliche Heimat ein Ziel. Bei anderen Arten – wie dem Przewalski-Pferd – ist die Wiederansiedlung bereits gelungen. Solche Projekte erfordern allerdings umfassende Vorbereitung, geeignete Lebensräume ohne Bedrohungspotenziale und vor allem die Unterstützung der lokalen Bevölkerung. Bis dahin leisten Zoos mit ihrer Arbeit einen unverzichtbaren Beitrag zum Erhalt dieser beeindruckenden, an die Wüstenregionen Ostafrikas angepassten Wildesel.

Jede Geburt ist ein kleiner Hoffnungsschimmer – für das Überleben einer Tierart, deren Zukunft mehr denn je in menschlicher Verantwortung liegt.