Am Internationalen Frauentag sind am Sonntag in Leipzig nach Polizeiangaben rund 10.000 Menschen auf die Straße gegangen. Mit Musik, Trommeln und Transparenten versammelten sich die Demonstrierenden zunächst auf dem Augustusplatz, bevor der Zug durch die Innenstadt bis zum Connewitzer Kreuz zog.
Auf Schildern standen Parolen wie „Die Zeit zu kämpfen ist jetzt“ oder „Das Patriarchat ist der Vater aller Krisen“. Organisiert wurde die Demonstration vom Bündnis „8. März ist immer“, einem Zusammenschluss aus Vereinen, Gewerkschaften, Parteigliederungen und Kulturinstitutionen aus Leipzig.
Ein Thema, das laut Teilnehmenden immer wieder angesprochen wurde, ist der Mangel an Schutzplätzen für Frauen und Kinder, die häuslicher Gewalt entkommen wollen.
Darüber sprachen Fachstellen einen Tag nach der Demonstration bei einer Pressekonferenz vor dem Neuen Rathaus. Madeleine Burkowsky arbeitet als Sozialarbeiterin im Frauen- und Kinderschutzhaus Leipzig und begleitet seit Jahren Frauen, die vor häuslicher Gewalt fliehen.
„Aktuell haben wir in Leipzig 58 Zimmer für von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder in fünf Gewaltschutzeinrichtungen. In einer Stadt wie Leipzig reichen diese 58 Plätze bei weitem nicht aus“, sagt Burkowsky.
Nach ihren Angaben müssen Einrichtungen regelmäßig Frauen abweisen. „Wir haben wöchentlich mindestens zwei Frauen und ihre Kinder, die wir abweisen müssen.“
Zusätzlich droht laut Beratungsstellen ein weiterer Einschnitt: Zum 30. Juni soll die Zentrale Sofortaufnahme für Schutzunterkünfte in Leipzig schließen. Dort waren bislang auch an Wochenenden und in den Abendstunden Fachkräfte vor Ort, die Betroffene beraten konnten.
Neben häuslicher Gewalt weisen Beratungsstellen auch auf sexualisierte Gewalt hin. Viola Butzlaff vom Verein Frauen für Frauen e.V. sagt, viele Fälle tauchten gar nicht erst in Statistiken auf, weil Betroffene keine Anzeige erstatten.
„In der Statistik landen tatsächlich nur die, die auch eine Anzeige gemacht haben“, so Butzlaff.