Der Krieg rund um Iran hat längst wirtschaftliche Folgen – auch für Sachsen. Steigende Energiepreise, gestörte Lieferketten und eine neue Unsicherheit setzen Unternehmen im Freistaat unter Druck. Besonders betroffen sind Branchen mit hohem Energiebedarf oder viel Transport, etwa Logistik, Industrie oder Handwerk.
Kristian Kirpal, Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Leipzig, beobachtet die Situation mit Sorge. Die Stimmung in vielen Unternehmen sei derzeit angespannt.
„Die Stimmung in der sächsischen Wirtschaft ist nach wie vor nicht gut. Wir haben immer noch unsichere Zeiten“, sagt Kirpal. Neben Bürokratie und Arbeitskosten seien vor allem die Energiekosten eine große Herausforderung für viele Betriebe.
Ein Grund dafür liegt tausende Kilometer entfernt: im Persischen Golf. Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Rund ein Fünftel des globalen Ölhandels läuft über diese Meerenge. Schon die Sorge vor möglichen Blockaden ließ die Ölpreise zeitweise deutlich steigen.
Das wirkt sich auch in Deutschland aus. An vielen Tankstellen liegt der Preis für Superbenzin inzwischen wieder bei rund zwei Euro pro Liter. Für Unternehmen mit großen Fahrzeugflotten oder energieintensiver Produktion bedeutet das zusätzliche Kosten.
Die Folgen zeigen sich auch in der Logistik. Der Flughafen Leipzig/Halle gehört zu den wichtigsten Frachtflughäfen Deutschlands. Hier betreibt DHL eines seiner größten europäischen Drehkreuze. Luftraumsperrungen oder längere Flugrouten können deshalb direkte Auswirkungen auf Lieferzeiten und Transportkosten haben.
Auch energieintensive Industriebetriebe beobachten die Entwicklung genau. Steigende Energiepreise treffen gerade Unternehmen mit knappen Margen besonders stark.
Neben den direkten Kosten belastet vor allem die Unsicherheit viele Unternehmer. Markus Rehwald, Gründer des Leipziger Start-ups eCovery und Sprecher der Leipziger Sektion des Wirtschaftsrats, sieht darin ein zentrales Problem.
„Wenn wir Unsicherheiten und Unklarheiten haben, können Unternehmen damit besonders schlecht umgehen“, sagt Rehwald. Viele Unternehmer müssten langfristig planen – etwa für Investitionen oder neue Arbeitsplätze.
Steigen Energiepreise oder ändern sich politische Rahmenbedingungen kurzfristig, erschwert das solche Entscheidungen erheblich.
Auch die Politik versucht gegenzusteuern. Die Sächsische Aufbaubank unterstützt Unternehmen im Freistaat mit verschiedenen Förderprogrammen – etwa für Investitionen, Digitalisierung oder Weiterbildung.
Vorstandsvorsitzende Dr. Katrin Leonhardt sieht dabei allerdings ebenfalls Herausforderungen. „Wir haben aktuell etwa 40 Förderprogramme für die sächsische Wirtschaft“, sagt sie. In Zukunft gehe es darum, vorhandene Mittel möglichst gezielt einzusetzen.
Denn auch die öffentlichen Haushalte stehen unter Druck.
Trotzdem ist Deutschland insgesamt weniger abhängig vom Nahen Osten als viele andere Länder. Nur ein kleiner Teil der deutschen Ölimporte stammt direkt aus der Region. Dennoch können globale Krisen die Wirtschaft schnell treffen – vor allem über Energiepreise und internationale Lieferketten.
Der Konflikt zeigt damit einmal mehr, wie stark auch Sachsens Wirtschaft mit der globalen Entwicklung verknüpft ist.
Für viele Unternehmen bleibt deshalb vor allem eine Hoffnung: mehr Planungssicherheit und stabile wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen. Denn investieren wollen viele Unternehmer weiterhin – trotz der aktuellen Unsicherheit.