Noch wird geschweißt, verfugt und an den Gleisen gearbeitet. Doch die große Baustelle der Leipziger Verkehrsbetriebe vor dem Hauptbahnhof geht in die letzten Züge. Nach sechs Wochen Bauzeit sollen die Arbeiten pünktlich zum Ende der Sommerferien abgeschlossen werden.
Für viele Fahrgäste dürfte das eine spürbare Erleichterung sein. In den vergangenen Wochen mussten Straßenbahnen umgeleitet werden, zeitweise waren die zentralen Steige A bis D komplett gesperrt. Gerade am Hauptbahnhof hatte das Auswirkungen auf große Teile des Leipziger Straßenbahnnetzes.
„Die größte Herausforderung ist natürlich, dass wir hier am Bahnhof ja fast das ganze Straßenbahnnetz vor der Tür verkehren haben“, erklärt Tobias Morgner aus der Betriebsplanung der Leipziger Verkehrsbetriebe. Für die Sperrung sei deshalb ein umfangreiches Ersatzkonzept notwendig gewesen.
Auch auf der Baustelle selbst war der Zeitplan eng. Nach Angaben der LVB wurden innerhalb von sechs Wochen insgesamt rund 650 Meter Gleis erneuert. Etwa ein Drittel davon entfällt auf aufwendige Weichen- und Kreuzungskonstruktionen.
Hinzu kamen hohe Temperaturen während der Bauphase. Conrad Jentzsch, Abteilungsleiter Projektmanagement im Bereich Infrastruktur der LVB, nennt vor allem Zeitdruck und Hitze als besondere Herausforderungen. Die Arbeiten liefen nach seinen Angaben teilweise im Mehrschichtbetrieb. Das Investitionsvolumen liegt bei rund 3,2 Millionen Euro.
Trotz des engen Zeitfensters sieht Jentzsch den Termin nicht gefährdet: „Zum Schulstart werden die Bauarbeiten planmäßig fertig und wir werden die Anlage am Wochenende betriebsbereit übergeben.“
Damit sollen die Straßenbahnen ab Montag wieder regulär die zentralen Steige am Hauptbahnhof bedienen können. Auch die Linien sollen wieder in den normalen Zehn-Minuten-Takt zurückkehren.
Für die LVB bedeutet die Freigabe zugleich mehr Spielraum im täglichen Betrieb. Während der Sperrung standen vier wichtige Gleise am Hauptbahnhof nicht zur Verfügung. Ersatzhaltestellen wie die Westseite oder die Wintergartenstraße können nach Angaben der Verkehrsplaner nicht dieselbe Zahl an Straßenbahnen aufnehmen.
Die Arbeiten waren deshalb bewusst in die Sommerferien gelegt worden. Damit sollten die Einschränkungen insbesondere für den Schülerverkehr möglichst gering gehalten werden.
Ein Detail der Baumaßnahme dürfte dabei besonderes Interesse wecken: Auch im nun fast fertigen Bauabschnitt kommt erneut eine Bitumenschicht im Gleisaufbau zum Einsatz.
Im Leipziger Straßenbahnnetz hatten Hitzeschäden zuletzt Fragen zum verwendeten Material aufgeworfen. Die genaue Ursache wird nach Angaben der LVB weiterhin untersucht. Jentzsch erklärt, dass gemeinsam mit einem Gutachter Risikoabwägungen vorgenommen worden seien. Die Verkehrsbetriebe hätten sich daraufhin entschieden, weiterhin Fugen in diesem Aufbau einzusetzen. Diese seien notwendig, um Schäden an der Infrastruktur und daraus resultierende weitere Sperrungen zu vermeiden.
Damit setzt die LVB an dieser Stelle zunächst auf den bisherigen Aufbau, während die Ursachen der Hitzeschäden weiter untersucht werden.
Mit dem Abschluss der aktuellen Arbeiten dürfte vor dem Hauptbahnhof zunächst wieder Ruhe einkehren. Dauerhaft ausschließen lassen sich neue Baustellen an dieser Stelle allerdings nicht.
Der Bereich gehört zu den am stärksten beanspruchten Punkten des Leipziger Straßenbahnnetzes. Tobias Morgner geht deshalb davon aus, dass dort auch in Zukunft wieder Arbeiten notwendig sein werden. Vorerst rechnet die LVB jedoch damit, den Verkehr am Hauptbahnhof ohne weitere Bauarbeiten regulär abwickeln zu können.
Für die Fahrgäste zählt zunächst vor allem der kommende Montag: Dann sollen Straßenbahnen wieder regulär über den Hauptbahnhof fahren und die wochenlangen Umleitungen ein Ende haben.