Mit Ausstellungen, Kulturveranstaltungen und Gesprächen startet die diesjährige Jüdische Woche Leipzig. Ziel ist es, jüdisches Leben in der Messestadt sichtbar zu machen und den Dialog über Geschichte, Erinnerung und gesellschaftliches Miteinander zu fördern.
Bei einer Pressekonferenz stellten die Organisatoren zentrale Programmpunkte vor. Einer davon ist die Ausstellung „Momentaufnahmen – Das Fotoarchiv Mittelmann“ im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig.
Sie zeigt einen außergewöhnlichen historischen Fund: Mehr als 2.000 Fotografien aus den 1920er- und frühen 1930er-Jahren, die jahrzehntelang auf einem Dachboden lagerten.
Die Ausstellung wurde von Johanna Sänger kuratiert. Die Historikerin arbeitet am Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig und beschäftigt sich intensiv mit der Aufarbeitung jüdischer Stadtgeschichte.
Die Bilder stammen vom jüdischen Fotografen Alfred Mittelmann. Sie zeigen Familien, Kinder, Geschäftsleute, Vereine und den Alltag einer vielfältigen Leipziger Gesellschaft.
„Es sind mehr als 2000 Fotografien gefunden worden, die aus einer Zeit stammen, zu der wir sonst sehr wenig haben“, sagt Sänger.
Besonders wertvoll sei der Bestand, weil vergleichbare Archive in Deutschland kaum erhalten geblieben seien.
Hinter den Fotos steckt jahrelange Forschungsarbeit.
Historiker, Stadtteilforscher, Stolperstein-Initiativen und Nachfahren ehemaliger Leipziger halfen dabei, die Menschen auf den Bildern zu identifizieren.
Mehr als 800 Personen konnten inzwischen namentlich zugeordnet werden.
„Das ist eine richtige Puzzlearbeit, eine Detektivarbeit“, erklärt Johanna Sänger. „So ist das Wissen über diese Menschen immer mehr gewachsen.“
Die Ausstellung macht dadurch nicht nur Fotos sichtbar, sondern auch Lebensgeschichten, die lange als verloren galten.
Die Jüdische Woche will Geschichte nicht allein über Daten und Ereignisse erzählen. Im Mittelpunkt stehen persönliche Schicksale und individuelle Lebenswege.
Viele der auf den Fotografien festgehaltenen Menschen wurden später Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung.
„Es sind bewegende Momente, wenn wir lesen müssen, dass dieser Mensch später deportiert und ermordet wurde“, sagt Sänger.
Gerade deshalb sei es wichtig, die Menschen nicht ausschließlich als Opfer wahrzunehmen, sondern als aktiven Teil der Leipziger Stadtgesellschaft.
Die Ausstellung ist nur einer von zahlreichen Programmpunkten der Jüdischen Woche Leipzig. Das Programm umfasst darüber hinaus Vorträge, kulturelle Veranstaltungen und Begegnungsformate.
Gemeinsam verfolgen sie ein Ziel: jüdisches Leben in Vergangenheit und Gegenwart sichtbar zu machen und den Austausch in der Stadtgesellschaft zu stärken.
„Die Ausstellung ist deshalb wichtig, damit man sieht, dass diese Menschen Teil der Stadtgesellschaft waren und erfüllte Leben hatten“, betont Sänger.
Die Jüdische Woche Leipzig lädt in den kommenden Tagen dazu ein, Geschichte neu zu entdecken und aktuelle Perspektiven kennenzulernen.
Die Ausstellung „Momentaufnahmen – Das Fotoarchiv Mittelmann“ zeigt dabei beispielhaft, wie Erinnerung lebendig werden kann – durch Gesichter, Geschichten und persönliche Schicksale.