„Wir waren damals gar nicht so amused… so einen knackigen Schlager zu haben“, erinnert sich Sänger Norbert Leisegang an den Kultsong. „Und dann haben wir gemerkt, welchen Weg dieser Song nahm.“ Heute gehört „Kling Klang“ fest zu vielen 90er-Partys – und ist bis heute einer der bekanntesten Titel der Band.
Dass Keimzeit über Jahrzehnte hinweg ein treues Publikum halten konnte, zeigt sich auch an diesem Abend. Viele Fans begleiten die Band seit ihrer Jugend. „Mich begleitet die Band schon seit meiner Jugendzeit Anfang der 90er Jahre“, sagt ein Konzertbesucher. Ein anderer ergänzt: „Bei so vielen Jahren Fan freut man sich natürlich, dass eine neue CD kommt.“
Mit „Ach, die Menschen“ veröffentlicht Keimzeit nun ihr 14. Album. Zwölf Songs umfasst die Platte. Der Titel wirkt zunächst größer, als er gemeint ist – so beschreibt es die Band selbst. Statt politischer Analyse geht es vor allem um das Menschsein und alltägliche Beobachtungen.
„Ich selber halte Dinge, die zwischen Menschen passieren, für wesentlich interessanter als die politischen Themen“, sagt Leisegang. Auch musikalisch habe sich die Band verändert: „Mittlerweile bin ich 66 und sehe bestimmte Dinge anders als mit 20 – aber die Musik ist immer authentisch geblieben.“
Gegründet wurde Keimzeit Anfang der 80er Jahre von Norbert Leisegang und seinen Geschwistern. Dass die Band bis heute fast unverändert besteht, sei alles andere als selbstverständlich: „Es ist ein Geschenk. Keiner von uns hat gedacht, dass es so lange gehen würde.“
Die DDR-Erfahrung prägt viele ihrer Songs bis heute. „Die gesellschaftlichen Verhältnisse prägen natürlich Text und Song“, sagt Leisegang. Gleichzeitig vermeiden Keimzeit klare politische Zuschreibungen. „Wir sind da für gute Poesie, für gute Songs, für gute Gefühle“, so der Sänger. „Man muss sich bei solchen Abenden nicht unbedingt politisch einordnen.“
Ganz ohne Konflikte ging es in der DDR allerdings nicht. Ein pazifistisches Lied brachte die Band zeitweise in Schwierigkeiten. „Dann hat man uns gesagt, wir sollen das nicht mehr spielen“, erinnert sich Leisegang. Die Band tat es trotzdem – und bekam schließlich ein Spielverbot. „Heutzutage verbietet uns keiner mehr, welche Songs wir spielen sollen. Und das ist gut so.“
Nach dem Auftakt in Leipzig geht es für Keimzeit nun quer durch Deutschland – von Weinböhla bis Hamburg.
Und in den ruhigeren Phasen zwischen den Konzerten? Auch da bleibt die Musik präsent. „Viele geben in der Band Musikunterricht“, sagt Leisegang. Für ihn selbst sieht das etwas anders aus: „Ich bummel am liebsten und warte darauf, dass irgendwie ein Song auf mich zukommt.“
Ein Ansatz, der seit über 40 Jahren funktioniert.