Künstliche Intelligenz kann innerhalb kürzester Zeit große Datenmengen auswerten, Zusammenhänge erkennen und Informationen aufbereiten. Doch wie zuverlässig ist die Technologie, wenn es um die Gesundheit von Menschen geht? Und welche Aufgaben kann sie Ärzten bereits heute abnehmen? Mit diesen Fragen haben sich Wissenschaftler beim dritten KIMed Netzwerk Partner Forum an der Universität Leipzig beschäftigt.
Ein wichtiger Einsatzbereich künstlicher Intelligenz ist die Radiologie. Bei Untersuchungen mit Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) entstehen häufig Hunderte oder sogar Tausende Einzelbilder, die von Ärzten ausgewertet werden müssen. KI-Systeme können bei dieser Arbeit unterstützen und dabei helfen, Auffälligkeiten in den Aufnahmen zu erkennen.
Prof. Dr. Thomas Neumuth, Technischer Direktor des Innovation Center for Computer Assisted Surgery (ICCAS) an der Universität Leipzig, beschäftigt sich mit solchen Technologien. Nach seinen Angaben werden in Leipzig außerdem Systeme eingesetzt, die Laborwerte automatisch überwachen und auf kritische Konstellationen hinweisen können.
Ein weiterer Forschungsbereich ist die automatische Dokumentation von Operationen. Dabei wird an Systemen gearbeitet, die gesprochene Informationen während eines Eingriffs erfassen und daraus ein OP-Protokoll erstellen sollen. Das könnte Chirurgen künftig einen Teil der aufwendigen Dokumentationsarbeit abnehmen.
Neben der Auswertung medizinischer Bilder und Laborwerte könnte künstliche Intelligenz künftig auch bei der Auswahl geeigneter Behandlungsmöglichkeiten eine größere Rolle spielen.
Medizinisches Wissen entwickelt sich ständig weiter. Neue Therapieansätze, wissenschaftliche Erkenntnisse und Behandlungsleitlinien müssen bei medizinischen Entscheidungen berücksichtigt werden. KI könnte dabei helfen, relevante Informationen gezielt für einzelne Patienten zusammenzuführen.
Auch Prof. Dr. Martin Sedlmayr von der Technischen Universität Dresden sieht in der schnellen Auswertung großer Datenmengen einen wesentlichen Vorteil. Gerade im Klinikalltag, in dem Ärzte häufig unter erheblichem Zeitdruck stehen, könnten KI-Systeme zusätzliche Hinweise liefern und mögliche Auffälligkeiten sichtbar machen.
Der Einsatz künstlicher Intelligenz in der Medizin wirft allerdings auch Fragen auf. Für die Entwicklung und Anwendung vieler Systeme werden umfangreiche medizinische Daten benötigt. Diese enthalten besonders sensible Informationen über Patienten.
Nach Einschätzung von Prof. Dr. Martin Sedlmayr kommt es deshalb auf einen verantwortungsvollen Umgang mit den Daten an. Dazu gehören Transparenz über ihre Nutzung, möglichst die Einwilligung der Patienten und sichere technische Umgebungen für die Verarbeitung.
Eine weitere Herausforderung ist die Fehleranfälligkeit der Systeme. Auch künstliche Intelligenz kann falsche Ergebnisse liefern oder medizinische Zusammenhänge unzutreffend bewerten. Empfehlungen müssen deshalb kritisch überprüft werden.
Für Prof. Dr. Thomas Neumuth steht fest, dass medizinische Entscheidungen weiterhin von entsprechend ausgebildetem Fachpersonal getroffen werden sollen. KI soll Ärzte unterstützen, aber nicht eigenständig über die Behandlung von Patienten entscheiden.
Das dritte KIMed Netzwerk Partner Forum fand am 27. Oktober 2026 im Paulinum der Universität Leipzig statt. Wissenschaftler, Mediziner und Vertreter der Gesundheitswirtschaft tauschten sich darüber aus, wie künstliche Intelligenz sicher in die medizinische Versorgung integriert werden kann.
Das KIMed-Netzwerk wird von der Universität Leipzig, der Technischen Universität Dresden und der Hochschule Mittweida koordiniert. Es wird bis Ende 2027 mit insgesamt 3,6 Millionen Euro aus europäischen und sächsischen Mitteln gefördert.
Ziel der Zusammenarbeit ist es, Forschung und medizinische Praxis stärker miteinander zu verbinden und Voraussetzungen für den verantwortungsvollen Einsatz neuer KI-Anwendungen zu schaffen.
Die Beispiele aus Leipzig zeigen, dass künstliche Intelligenz in einzelnen medizinischen Bereichen bereits eingesetzt wird. Gleichzeitig befinden sich weitere Anwendungen noch in der Entwicklung.
Entscheidend wird sein, ob die Systeme nicht nur technisch leistungsfähig sind, sondern auch im Klinikalltag zuverlässig funktionieren und einen nachweisbaren Nutzen für Patienten bieten.
Die Perspektive der Wissenschaftler: Künstliche Intelligenz kann medizinisches Personal entlasten und zusätzliche Informationen für Entscheidungen liefern. Die ärztliche Verantwortung soll dabei weiterhin beim Menschen bleiben.