Mo., 04.08.2025 , 22:42 Uhr

Taucha

Knapp 5000 Besucher: Festival zaubert Extase, Klangrausch und Wirtschaftsboom

Barfuß im Gras tanzen, meditieren unter alten Bäumen, diskutieren über Frieden – und dabei ganz nebenbei die örtliche Wirtschaft ankurbeln? Was klingt wie ein Widerspruch, ist in Taucha bei Leipzig Realität geworden. Das Ancient Trance Festival hat den sonst ruhigen Ort für ein langes Wochenende in einen vibrierenden Melting Pot der Kulturen verwandelt – zwischen Weltmusik, Chai-Tee, Achtsamkeit und handfesten ökonomischen Impulsen. Für die einen ist es ein spirituelles Erlebnis, für andere eine Herausforderung mit Lärm, Verkehrschaos und vollen Pensionen. Doch eines ist unbestreitbar: Dieses Festival bewegt – emotional, kulturell und wirtschaftlich.

Wo der Stadtpark zur Weltbühne wird

Kaum wiederzuerkennen: Der Tauchaer Stadtpark, normalerweise Kulisse für Spaziergänge und Picknickdecken, verwandelte sich in einen farbenfrohen Festivalkosmos. Klanginseln statt Blumenbeete, Slacklines zwischen Bäumen, veganes Essen, Klangschalen und Trommelkreise – Taucha war für ein Wochenende Bühne einer friedlichen, klangvollen Weltvision.

Die Besucher*innen kamen von überall her. Musikgruppen reisten aus Südamerika, Osteuropa, Asien oder Skandinavien an. „Ich komme nicht nur wegen der Musik – ich komme wegen der Menschen“, sagt Ida, eine Besucherin aus Marburg. Genau das macht den Zauber von Ancient Trance aus: Die Kombination aus Vielfalt, Achtsamkeit und Offenheit gegenüber allem, was anders ist.

Ein besonders eindrücklicher Moment: Die ukrainische Band Dakhabrakha eröffnete ihr Konzert mit der Nachricht eines schweren Luftangriffs in ihrer Heimatstadt. Was folgte, war ein musikalischer Kraftakt – traurig, wütend, eindringlich. Am Ende: stehender Applaus, Gänsehaut und das Gefühl, dass Musik Brücken baut, selbst in Zeiten des Krieges.

Taucha wie verzaubert: Ancient Trance Festival 2025

Festivalerlebnis im Herzen von Taucha Das Ancient Trance Festival in Taucha versetzt die Kleinstadt vom 31. Juli bis zum 3. August in einen Ausnahmezustand. Mit rund 6.000 Besuchern wird die Stadt zum Zentrum der Weltmusik. „Nach Informationen von Sachsen Fernsehen entsteht hier ein kleiner Mikrokosmos, der durch Klangvielfalt und kreative Workshops besticht“, erklärt Andreas Kosmowicz, einer der Hauptorganisatoren des Festivals.

Festival als Motor für die Stadt

Doch Ancient Trance ist längst mehr als ein musikalisches Happening – es ist ein wirtschaftlicher Faktor. Laut Bürgermeister Tobias Meier bringt das Festival Taucha nicht nur internationale Aufmerksamkeit, sondern ganz konkrete Vorteile: „Sämtliche Unterkünfte sind ausgebucht, lokale Händler freuen sich über neue Kunden – und manche Gäste sind sogar nach dem Festival hierhergezogen.“

Die Stadtverwaltung arbeitet eng mit dem Veranstalter, dem Maultrommel Taurer e.V., zusammen. Viele Bürger*innen nehmen sich extra frei, um mitzuhelfen – stellen ihre Gärten für Zelte zur Verfügung, bieten Duschen oder Frühstück an. „Es ist einfach toll, dieser Zusammenhalt“, sagt Meier im Gespräch mit SACHSEN FERNSEHEN.

Spirituelle Utopie trifft auf Realität

Natürlich bringt ein Festival dieser Größe auch Konflikte mit sich. Zu wenig Parkplätze, volle Straßenbahnen, nächtliche Musik – nicht alle Anwohner sind begeistert. Doch statt zu eskalieren, setzt man auf Ausgleich: Freikarten für Anlieger, offene Gesprächsrunden, transparente Kommunikation.

„Konflikte machen auch Spaß, wenn man sie moderieren kann“, sagt der Bürgermeister schmunzelnd – und spielt damit auf die ungewohnte Rolle der Verwaltung als Vermittlerin zwischen Weltmusik-Enthusiasten und gestressten Nachbarn an.

Zwischen Yogamatte und Wirtschaftskraft

Was häufig übersehen wird: Hinter dem Festival steckt ein hochprofessionelles Eventmanagement. Ticketverkauf, Merchandising, Gastronomie, Tourismusmarketing – Ancient Trance ist längst auch ein Geschäftsmodell. Und zwar eines, das funktioniert. Die Festivalleitung kooperiert mit lokalen Betrieben, bezieht Handwerk, Landwirtschaft und Einzelhandel ein.

Der wirtschaftliche Effekt ist spürbar. Es entstehen Arbeitsplätze, neue touristische Netzwerke – und ein Imagewandel für eine Stadt, die bislang eher unauffällig war. Doch die Frage bleibt: Wie lange lässt sich diese Balance halten? Zwischen Idealismus und Professionalität, zwischen spiritueller Tiefenentspannung und kommerziellem Kalkül?

Ausblick: Klang, Konflikt und großes Potenzial

Ancient Trance ist ein kulturelles Experiment mit gesellschaftlicher Sprengkraft. Es zeigt, was möglich ist, wenn eine Stadt bereit ist, sich zu öffnen – für neue Klänge, neue Menschen und neue Wege. Taucha ist für ein Wochenende zur Bühne der Welt geworden – und hat dabei vielleicht auch ein Stück weit sich selbst neu entdeckt.