Im Oktober 2021 veröffentlichte der Sänger Gil Ofarim ein Video auf Instagram. Darin erhob er den Vorwurf, ein Mitarbeiter des Westin Hotels Leipzig habe von ihm verlangt, seinen Davidstern abzulegen, um einchecken zu können. Das Video verbreitete sich schnell in sozialen Netzwerken und löste eine breite öffentliche Debatte über Antisemitismus aus.
Im Jahr 2023 stellte das Landgericht Leipzig fest, dass die Vorwürfe nicht zutrafen. Im Rahmen des Strafverfahrens räumte Ofarim ein, den Vorwurf wissentlich falsch erhoben zu haben. Das Verfahren wurde gegen Auflagen eingestellt. Dazu gehörte unter anderem die Zahlung von 10.000 Euro an eine jüdische Einrichtung.
Der laut dem Landgericht Leipzig zu Unrecht beschuldigte Hotelmitarbeiter geriet infolge der Vorwürfe in den Fokus der Öffentlichkeit. Nach eigenen Angaben war er Anfeindungen ausgesetzt und erhielt Drohungen. Zeitweise stand er unter Polizeischutz. Ofarims Anwalt Alexander Stevens erklärte öffentlich, sein Mandant habe sich verpflichtet, dem Betroffenen ein Schmerzensgeld in fünfstelliger Höhe zu zahlen. Ob diese Zahlung bereits erfolgt ist, ließ sich nicht unabhängig bestätigen.
Zuletzt stand Gil Ofarim erneut im öffentlichen Fokus, nachdem er im TV-Format „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ zum Dschungelkönig 2026 gewählt wurde. In einer Sendung entschuldigte er sich öffentlich bei der Leipziger Bevölkerung für den Vorwurf aus dem Jahr 2021 und sprach von dem größten Fehler seiner Karriere.
Das öffentliche Auftreten löste unterschiedliche Reaktionen aus. In Leipzig äußerten sich Passanten im Rahmen einer Umfrage skeptisch zur Entschuldigung und zur erneuten medialen Präsenz des Sängers. Mehrfach wurde die Frage aufgeworfen, ob ein öffentliches Comeback bereits angemessen sei.
Auch die Stadt Leipzig äußerte sich zu dem Fall. Stadtsprecher Matthias Haßberg erklärte, es habe sich nicht um ein Missverständnis, sondern um eine bewusste Falschbehauptung gehandelt. Juristisch sei das Verfahren abgeschlossen, gesellschaftlich werde der Fall jedoch weiterhin kontrovers diskutiert.
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt die Debatte durch Medienberichte über eine mögliche sechsstellige Gage für Ofarims Teilnahme an der Fernsehsendung. Der Sender RTL machte hierzu keine Angaben. Die Berichte sind nicht offiziell bestätigt.
Im Jahr 2021 meldete auch das Erich-Zeigner-Haus im Vertrauen auf Ofarims damalige Darstellung eine Demonstration gegen das Westin Hotel an. Hausleiter Henry Lewkowski erklärte später, man habe zu diesem Zeitpunkt keinen Anlass gehabt, an der Schilderung zu zweifeln. Mit dem Fortgang des Verfahrens habe man diese Entscheidung rückblickend als Fehleinschätzung bewertet.
Der Fall wird auch vor dem Hintergrund steigender antisemitischer Vorfälle in Deutschland diskutiert. Nach Angaben der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus wurden im zweiten Quartal 2025 bundesweit 899 antisemitische Vorfälle registriert, etwa die Hälfte davon mit rechtsextremem Hintergrund. Vertreter zivilgesellschaftlicher Einrichtungen weisen darauf hin, dass falsche Antisemitismusvorwürfe das Vertrauen in die Aufarbeitung tatsächlicher Diskriminierungsfälle beeinträchtigen können.
Der juristische Teil des Falls ist abgeschlossen. Die gesellschaftliche Auseinandersetzung über Verantwortung, Entschuldigung und öffentliche Rückkehr dauert jedoch an. Wie viel öffentliche Rehabilitation nach einer bewussten Falschbeschuldigung akzeptiert wird, bleibt eine offene Frage, die weiterhin kontrovers diskutiert wird.