Mo., 19.01.2026 , 21:54 Uhr

Jede zehnte Frau und jeder fünfte Mann stirbt in der EU laut Statistik zwischen dem 39. und 60. Lebensjahr an Krankheiten, denen mit frühzeitiger Vorsorge begegnet werden könnte.

Kranker Europameister - Warum unser Gesundheitssystem trotz Rekordausgaben schwächelt

Chemnitz- In einer Podiumsdiskussion im Rahmen des 35-jährigen Bestehens der Knappschaft Sachsen ging es um ein bemerkenswertes Missverhältnis: Deutschland ist Europameister bei den Gesundheitsausgaben – belegt im Public-Health-Index jedoch nur den vorletzten Platz. Warum das Thema Prävention neu gedacht werden muss und welche Rolle dem Schulsport dabei zukommen könnte.

Deutschland ist Europameister. Was zunächst gut klingt, lässt vor allem bei Medizinern und Krankenkassen die Warnlampen angehen. Denn der Titel steht für die höchsten Gesundheitsausgaben Europas. Demgegenüber steht der vorletzte Platz im Public-Health-Index, der prüft, inwieweit wissenschaftlich empfohlene Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden. Kurz gesagt: Das System leidet an Ineffizienz. Eben jene Punkte kamen im Rahmen einer Festveranstaltung zum 35-jährigen Bestehen der Knappschaft Sachsen auf den Tisch – oder besser gesagt: aufs Podium. Für Dr. med. Norman Nico Bubnick, Chefarzt der Knappschaftsklinik in Warmbad, lassen die Zahlen nur einen Schluss zu: Das Thema Gesundheitsprävention müsse anders priorisiert werden.

Auch Petra Brakel sieht Handlungsbedarf. Die Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See plädierte dafür, Prävention grundlegend neu zu denken. An Angeboten mangele es nicht, entscheidend sei vielmehr, die Menschen tatsächlich zu erreichen – etwa durch individuell zugeschnittene Programme der Krankenkassen. Rund 50.000 Versicherte beraten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Chemnitzer Regionaldirektion jedes Jahr. Genau dort könne man laut Thorsten Zöfeld, Leiter der Regionaldirektion Chemnitz der Knappschaft, ansetzen. Das habe man auch im Fokus. Aktuell werde eruiert, wie man über diesen Kanal die Prävention weiter vorantreiben könne.

Aus Sicht von Norman Nico Bubnick müsse das Thema noch früher auf den Schirm kommen – wenn möglich bereits im Schulkindalter. Eine Änderung der Inhalte des Schulfachs Deutsch wäre ein Fall für das Kultusministerium. Der Ansatz, bereits im Kindesalter anzusetzen, ist allerdings auch für Petra Köpping ein wichtiger Baustein hin zu mehr Prävention im Alltag. Doch auch ohne ein eigenes Fach sei aus Sicht von Sachsens Ministerin für Gesundheit und Soziales mehr möglich: Ein kurzes Bewegungsprogramm vor Unterrichtsbeginn ließe sich realisieren. In China sei das längst Alltag – wenn auch unter den landestypischen Bedingungen.

Unterm Strich bleibt die Erkenntnis, dass in Sachen Prävention deutlich mehr getan werden muss. Das betrifft jedoch nicht nur Krankenkassen, Ärztinnen und Ärzte sowie Gesundheitsämter. Jede zehnte Frau und jeder fünfte Mann stirbt in der EU laut Statistik zwischen dem 39. und 60. Lebensjahr an Krankheiten, denen mit frühzeitiger Vorsorge begegnet werden könnte. Prävention ist damit nicht allein eine Aufgabe des Systems, sondern auch eine Frage der persönlichen Verantwortung.