Mo., 09.02.2026 , 11:55 Uhr

Kritik an Lichtshow im Zoo: Besucher begeistert – Tiere gestresst?

Bunte Lichter, Musik und Tiere mittendrin: Das Tropenleuchten im Zoo Leipzig sorgt für Kritik von Tierschützern des BUND. Ein Wissenschaftler ordnet ein.

Bunte Lichter, Musik und verlängerte Öffnungszeiten – das „Magische Tropenleuchten“ im Zoo Leipzig lockt derzeit tausende Besucher an. Doch Tierschützer schlagen Alarm. Sie warnen vor zusätzlichem Stress für die Tiere. Was genau die Kritik auslöst, wie der Zoo reagiert und wie Wissenschaftler die Situation einschätzen, hat für SACHSEN FERNSEHEN Reporter Jonas Juckeland recherchiert.

Die Leipziger Regionalgruppe des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND) kritisiert vor allem die Kombination aus künstlichem Licht, zusätzlichen Geräuschen und dem Publikumsverkehr bis in die Abendstunden. Gerade nachts brauche es Ruhephasen für die Tiere, heißt es vom BUND Leipzig. Viele Arten orientierten sich am natürlichen Hell-Dunkel-Rhythmus – Eingriffe könnten Stress auslösen und Verhaltensweisen verändern.

„Viele Tierarten orientieren sich am natürlichen Hell-Dunkel-Rhythmus. Künstliches Licht kann dieses Verhalten massiv stören“, erklärt Lisa Falkowski vom BUND Leipzig. Besonders kritisch sehe man, dass solche Formate regelmäßig stattfinden: „Wir sehen hier ein erhöhtes Risiko für Dauerstress.“

Unterstützung bekommt der BUND vom Biologen und Naturschutzforscher Reinhard Klenke, der unter anderem am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung wirkte und aktuell an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg tätig ist. Er erklärt, warum Licht für Tiere mehr ist als nur Helligkeit:
„Hier spielen zum Beispiel Hormone eine Rolle, das Melatonin. Und künstliches Licht kann die Ausschüttung von diesen Hormonen verändern oder unterbinden. Wenn wir Licht anschalten, bricht unter Umständen dieser Zyklus in der Nacht zusammen – und das hat langfristig schädigende Wirkungen auf die Physiologie.“

In eigenen Untersuchungen und einer Studie, unter anderem an Amseln, habe sich gezeigt, dass künstliche Beleuchtung die innere Uhr durcheinanderbringen kann. Die Nacht fühle sich für den Organismus kürzer an, Erholung werde erschwert. Klenke bringt es klar auf den Punkt:
„Es ist definitiv eine Störung. Das Stresslevel wird steigen.“

Für ihn geht die Debatte über reine Messwerte hinaus:
„Es ist nicht nur eine wissenschaftliche Frage, es ist eine ethische Frage. Zoos haben den Auftrag, Tiere für Bildung und Artenschutz zu nutzen. Dieses mit Spaßformaten zu verknüpfen, ist fragwürdig.“ Sein Fazit: Bei solchen Events müsse „lieber einmal mehr geprüft werden als sich nur auf Erfahrung zu verlassen“.

Der Zoo Leipzig selbst sieht das Tropenleuchten als verantwortungsvoll gestaltet. In einer schriftlichen Stellungnahme erklärt Pressereferentin Maria Saegebarth:
„Nach Rücksprache mit den Zoologen kann ich Ihnen mitteilen, dass das Magische Tropenleuchten alljährlich in enger Abstimmung zwischen den Fachabteilungen vorbereitet wird. Beim Ausleuchten von Gondwanaland sind Zoologen und Tierpfleger unmittelbar eingebunden. In den Abendstunden befinden sich die meisten Tiere in den rückwärtigen Bereichen oder haben die Möglichkeit, sich dorthin zu begeben. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Veranstaltung keine negativen Auswirkungen hat.“

Während der Zoo auf interne Expertise setzt, fordert der BUND unabhängige Prüfungen. „Wir fordern keine Abschaffung. Aber mehr Transparenz. Und klare Beweise, dass die Tiere wirklich nicht leiden.“

Das Tropenleuchten läuft noch bis zum 8. Februar 2026. Nach Angaben des Zoos kamen 2023 rund 75.000 Besucher an 20 Veranstaltungstagen. Zwischen Erlebnis und Verantwortung bleibt damit ein Spannungsfeld – und die Frage offen: Wie viel Inszenierung verträgt ein Lebensraum, der eigentlich den Tieren gehört?