Di., 12.05.2026 , 14:07 Uhr

Kunst statt Knast-Klischees - Warum ein Richter Bilder eines Mörders zeigt

Chemnitz – Kunst im Gerichtssaal? Im Sächsischen Landesarbeitsgericht läuft aktuell eine Ausstellung, die nicht nur wegen ihrer Bilder auffällt, sondern auch wegen der Geschichte dahinter. Denn zwischen Landschaften und Familienmotiven hängen auch Werke eines verurteilten Mörders. 

In Chemnitz gibt es seit Montag eine neue Kunstausstellung. Diese befindet sich allerdings nicht in einem Museum, sondern im Sächsischen Landesarbeitsgericht. An diesem eher ungewöhnlichen Ort ist derzeit die Ausstellung „Bildergeschichten“ von Konrad Gatz zu sehen. Denn dort dreht es sich um „Kunst & Justiz“. Ein Projekt welches 1992 vom Sächsischen Staatsministerium der Justiz ins Leben gerufen wurde – maßgeblich initiiert und geprägt von Konrad Gatz. Denn viel gemeinsam hätten Kunst und Justiz auf den ersten Blick nicht.

Ziel des Projekts war es, die Justiz „nach außen und innen offen“ zu zeigen und Gerichte nicht nur als Behörden, sondern auch als kulturelle Orte wahrnehmbar zu machen. Gerichte sollten nicht länger als abgeschottete Institutionen wirken, historische Gebäude kulturell geöffnet werden. Für Konrad Gatz, den viele als Vater des Projekts bezeichnen, bieten die Räumlichkeiten aber noch einen weiteren Vorteil.

Die Möglichkeit, große Werke auszustellen, konnte Gatz durch das Projekt gezielt nutzen. Neben Bildern seiner Mutter und vielen verschiedenen Künstlern zeigt der ehemalige Präsident des Landgerichts Bautzen auch zwei Werke eines Mannes, der wegen Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Dass ausgerechnet solche Bilder hier einen Platz bekommen, wirkt zunächst provokant. Für Konrad Gatz zeigen sie jedoch vor allem, welche Kraft Kunst entfalten kann. Hinter dem Projekt steckt aber noch mehr. Durch die Unterstützung des Justizministeriums kann Gatz Werke von Künstlern ankaufen und ihnen damit zugleich eine Perspektive geben.

Gerade für kleinere Künstler sei es schwer, auf dem Kunstmarkt Fuß zu fassen. Man dürfe deshalb nicht nur auf große Namen schauen, sagt Gatz. Denn oft stecke gerade hinter weniger bekannten Künstlern eine Qualität, die kaum gesehen wird. Und genau dafür will „Kunst & Justiz“ Raum schaffen: für Bilder, für Geschichten und für Menschen, die sonst kaum jemand wahrnimmt.