Fr., 25.09.2026 , 17:39 Uhr

Leipzig will die Salonkultur neu beleben

Literatur, FrauenGenussRoute und Hutwalk: In Leipzig entstehen neue Formate rund um Begegnung und Stadtkultur.

Historische Idee trifft auf neue Formate

Literatur hören, gemeinsam essen und dabei mit Menschen ins Gespräch kommen, die man vorher nicht kannte: In Leipzig soll die historische Idee der Salonkultur neu aufgegriffen werden. Im Victor’s Residenz-Hotel wurden dafür am Freitag mehrere Projekte vorgestellt. Sie reichen von einer neuen Literaturreihe über die FrauenGenussRoute bis zu einem für 2027 geplanten Hutwalk.

Der gemeinsame Gedanke dahinter ist die persönliche Begegnung. Statt einer Veranstaltung, bei der das Publikum ausschließlich zuhört, sollen Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Christine Klauder, Initiatorin der FrauenGenussRoute und Projektleiterin von Heimatgenuss Mitteldeutschland, beschreibt den Ansatz so: „Und der Salon, das bedeutet Austausch. Das bedeutet ein Miteinander, ein Inspirieren, ein Genuss von schönen Dingen, von kulturellen Highlights.“

Die Veranstalter knüpfen damit ausdrücklich an historische Salons an. In den Presseunterlagen werden unter anderem Rahel Varnhagen in Berlin und Henriette Goldschmidt in Leipzig als Vorbilder genannt.

Petra Durst-Benning eröffnet Literaturreihe

Den ersten konkreten Test gibt es bereits am 11. Oktober. Dann soll Bestsellerautorin Petra Durst-Benning die neue Literaturreihe im Victor’s Residenz-Hotel eröffnen.

Beim Pressegespräch war Durst-Benning digital zugeschaltet. Sie hob vor allem die Verbindung von Literatur, gemeinsamem Essen und bewusst verbrachter Zeit hervor. In einer Zeit, in der viele Inhalte parallel und nebenbei konsumiert würden, sollen die Besucher mehrere Stunden miteinander verbringen können.

Neben Durst-Benning sind weitere Autorinnen angekündigt. Dazu gehören Ute Cohen sowie die Leipziger Journalistin und Autorin Ulrike Gastmann. Die Buchhandlung LUDWIG ist Kooperationspartner und soll die Veranstaltungen mit Büchertischen begleiten. Neben Literaturformaten sind auch Science-Brunches mit wissenschaftlichen Gesprächspartnern vorgesehen.

Für Hoteldirektorin Sabine Kalinke gehört dazu auch die Frage, welche Menschen und Themen miteinander verbunden werden. Sie habe durch die Zusammenarbeit erlebt, „dass es Frauenthemen gibt, ohne dass man sich in den Vordergrund stellt, sondern dass man einfach etwas gemeinsam macht“.

Neun Stationen auf der FrauenGenussRoute

Ein weiterer Baustein ist die aktualisierte FrauenGenussRoute Leipzig. Sie umfasst nach Angaben der Veranstalter neun Stationen und verbindet Gastronomie, Kultur, Mode, Handwerk und andere inhabergeführte Angebote.

Zu den genannten Stationen gehören unter anderem das Victor’s Residenz-Hotel, das Café Wagner, die Bahnhofsbuchhandlung LUDWIG, Der Hutladen, Cloud Nº30, see.you OPTICS und die Galerie Tschart. Über einen QR-Code soll die Strecke auch digital nachvollziehbar sein.

Hinter dem Projekt steht zugleich ein Netzwerkgedanke. Unterschiedliche Frauen sollen nicht nur ihre jeweiligen Orte präsentieren, sondern miteinander in Kontakt kommen. Klauder beschreibt das Ziel als ein Zusammentreffen von Menschen aus verschiedenen beruflichen Bereichen, die „gleichberechtigt, wertschätzend miteinander zusammensitzen“ und gemeinsam Ideen entwickeln.

Eine der Beteiligten ist Celina Kutylo. Sie ist Inhaberin des Café Wagner und gründete bereits 2015 das Leipziger Powerfrauen-Netzwerk. Aus diesem Umfeld gingen später weitere Veranstaltungsformate hervor, die schließlich auch Impulse für die FrauenGenussRoute gaben.

Leipziger Hutwalk für 2027 geplant

Zu den ungewöhnlicheren Plänen gehört ein erster Leipziger Hutwalk. Er soll am 12. Juni 2027 am Victor’s Residenz-Hotel beginnen und dort wieder enden. Die genaue Strecke ist noch nicht festgelegt.

Die Idee entstand im Umfeld einer bereits veranstalteten Hutparty. Künftig sollen dabei Modehandwerk, die Geschichte des Hutes und das Flanieren durch die Stadt miteinander verbunden werden. In den Presseunterlagen wird das Projekt ausdrücklich an der Schnittstelle von „Mode, Handwerk und Stadtkultur“ verortet.

Ob aus all diesen Einzelprojekten tatsächlich eine dauerhafte neue Salonkultur für Leipzig entsteht, ist nach der Vorstellung noch offen. Anders als eine bloße historische Wiederholung sollen die neuen Formate jedoch verschiedene Bereiche miteinander verbinden: Literatur und Essen, Unternehmerinnen und Besucher, klassische Tafelkultur und moderne Stadtangebote.

Am 11. Oktober beginnt mit der ersten Literaturveranstaltung die praktische Erprobung dieses Konzepts.