Di., 05.11.2024 , 16:10 Uhr

Der Mann war mit einem PKW kollidiert und in der Folge tödlich verunglückt. Aus Sicht des ADFC Sachsen ein vermeidbares Schicksal, denn der Klub hatte schon in der Vergangenheit Unfälle an derselben Stelle dokumentiert.

Markranstädt - Mahnwache für getöteten Radfahrer

Markranstädt- Es ist eines der unzähligen Holzkreuze, das am Montag in Markranstädt im Mittelpunkt stand. Ein neues, kaum vergilbt, keine vier Wochen alt. Es soll an Angelo erinnern, dessen Leben mit 25 Jahren in der Einfahrt eines Supermarktes endete. Mehr als 60 Freunde und Angehörige versammelten sich, um eine Mahnwache für den jungen Mann abzuhalten, um zu trauern, um das Unfassbare zu verarbeiten. Die Menschen geben der Person aus der Polizeimeldung ein Gesicht, eine Geschichte.

Angelo war mit seinem Fahrrad in Markranstädt unterwegs. An der Einfahrt zu einem Supermarkt übersah ihn laut Polizeibericht ein Autofahrer. Der junge Mann kam zu Fall und geriet unter einen LKW. Ein weißes Fahrrad markiert nun die Stelle, an der der 25-Jährige starb und das Leben seiner Angehörigen und Freunde urplötzlich auf den Kopf gestellt wurde. Eines von vielen auf Sachsens Straßen. Jedes einzelne ist eines zu viel. Und im vorliegenden Fall vielleicht vermeidbar, wenn die bauliche Situation vor Ort eine andere wäre. Denn der Allgemeine Deutsche Fahrradclub hatte laut eigener Aussage in der Vergangenheit mehrere Unfälle an ebenjener Grundstücksausfahrt dokumentiert. Aus Sicht des Klubs liegt die Häufung von Unfällen im betreffenden Bereich an einem baulichen Mangel. Während auf der einen Seite ein gut ausgebauter Radweg vorhanden ist, fehlt dieser auf der Gegenspur. Und genau dieser Umstand sei ursächlich für den tödlichen Unfall.

Auch die Bürgermeisterin der Kleinstadt im Landkreis Leipzig, Nadine Sitterich, lässt der Fall nicht kalt. Im Interview mit Sachsen Fernsehen drückte sie den Angehörigen ihr Beileid aus. Es sei wichtig, in so einem Fall zusammenzustehen. Auf das bauliche Problem vor Ort angesprochen, verwies die 44-Jährige auf die klamme Finanzlage der Stadt. Man wisse um die Probleme im Verkehr und habe auch ein Mobilitätskonzept erstellt. Am wichtigsten fehlt es aber offensichtlich – am Geld. Man hoffe auf Fördermittel, um die Pläne schnell umsetzen zu können.

Der Fokus auf den motorisierten Verkehr ist ein Problem, das nahezu überall im Freistaat auftaucht, aber oft nicht wahrgenommen werde, weil laut ADFC tödliche Unfälle mit Fahrrädern im Freistaat doch recht selten im Freistaat passieren. Nehme man jedoch die Verletzten und Schwerverletzten in die Rechnung mit auf, ergäbe sich allerdings ein viel dramatischeres Bild, dem politisch kaum Rechnung getragen werde.

Auf der Webseite des Freistaates Sachsen heißt es, dass „nur mit einer nutzerfreundlichen und sicheren Radinfrastruktur die kommunale Verkehrswende gelingen könne“. Dass das Sinn macht, zeigt eine Studie, die der Freistaat ebenfalls auf seinem Internetauftritt bereithält. Wenn man alle Faktoren mit einberechnet, überwiege der finanzielle Nutzen einer Verkehrswende. Denn während beim Pkw-Verkehr neben dem Infrastrukturbau hohe externe Kosten für Klimafolgen, Luftschadstoffbelastung und Lärmbelastung anfallen, seien es beim Radverkehr lediglich die Unfallkosten, die als externe Belastungen der Haushalte von Bedeutung wären. Und genau diese dürften bei entsprechender Infrastruktur noch einmal deutlich sinken.