Mi., 16.09.2026 , 16:55 Uhr

Millionen fürs Sportforum - Leipzig braucht Geld für Großprojekt

Mit der Unterschrift unter den Zuwendungsvertrag ist ein wichtiger Schritt für den Umbau des Leipziger Sportforums gemacht. Bis zu 60 Millionen Euro stellt der Freistaat Sachsen für das Großprojekt bereit. Doch die eigentliche Finanzierungsfrage ist damit noch lange nicht beantwortet. Denn weitere 260 Millionen Euro muss Leipzig für die geplante Entwicklung des Areals finanzieren.

Geplant ist weit mehr als eine Sanierung der bestehenden Quarterback Arena. Die Halle soll grundlegend modernisiert und auf rund 12.000 Zuschauerplätze erweitert werden. Direkt daneben soll eine neue Ballsporthalle für bis zu 5.000 Besucher entstehen. Vorgesehen ist außerdem ein Parkhaus mit rund 1.500 Stellplätzen.

Private Investoren sollen sich beteiligen

Die zusätzlichen 260 Millionen Euro sollen allerdings nicht vollständig aus dem Leipziger Stadthaushalt kommen. Oberbürgermeister Burkhard Jung setzt auch auf privates Kapital.

„Wir suchen natürlich einen Investor“, sagte Jung im Gespräch mit SACHSEN FERNSEHEN. Die Stadt wolle bei der neuen Ballsporthalle und der Arena ähnlich vorgehen wie bereits beim Stadion und private Partner an der Finanzierung beteiligen.

Wie groß dieser Anteil ausfallen wird und wie viel Geld Leipzig letztlich selbst aufbringen muss, steht noch nicht fest. Damit bleibt ausgerechnet die Frage offen, die angesichts der aktuellen Finanzlage besonders relevant ist: Wie stark wird das Projekt den städtischen Haushalt tatsächlich belasten?

Leipzig muss gleichzeitig sparen

Denn Leipzig plant die kommenden Jahre unter erheblich erschwerten finanziellen Bedingungen. Der von der Stadt vorgelegte Entwurf für den Doppelhaushalt 2027 und 2028 weist hohe Defizite aus. Die offiziellen Haushaltsunterlagen wurden Anfang September veröffentlicht und befinden sich noch im politischen Beratungsverfahren.

Nach den bislang vorgelegten Zahlen stehen für 2027 rund 148,3 Millionen Euro und für 2028 rund 183,7 Millionen Euro Defizit im Raum. Gleichzeitig soll die Verschuldung weiter steigen.

Für Leipzig bedeutet das: sparen und investieren gleichzeitig. Vor diesem Hintergrund muss die Stadt erklären, warum ein mehrere hundert Millionen Euro umfassendes Sportprojekt gerade jetzt Priorität hat.

Jung verweist dabei auf die langfristige Bedeutung des Sportforums. Die bestehende Halle reiche für bestimmte internationale Sportveranstaltungen nicht mehr aus. Im Interview mit SACHSEN FERNSEHEN nannte er etwa Handball-Weltmeisterschaftsspiele, für die die bisherige Zuschauerkapazität nicht genüge. Auch bei großen Konzerten sieht der Oberbürgermeister Nachholbedarf.

Schuster sieht langfristige Investition

Auch Sachsens Innenminister Armin Schuster begründet die Förderung nicht allein mit einer möglichen Olympiabewerbung. Das Sportforum solle für die kommenden Jahrzehnte konkurrenzfähig werden.

„Prinzipiell würden wir dieses Projekt auch ohne die Olympiabewerbung fördern“, sagte Schuster gegenüber SACHSEN FERNSEHEN. Sachsen wolle große Sportveranstaltungen nach Leipzig holen und den Standort im Wettbewerb mit anderen Städten stärken.

Olympia erhöht allerdings den zeitlichen Druck. Sollte Deutschland bereits 2036 Olympische Spiele ausrichten und Leipzig Teil der Bewerbung sein, müsste das Sportforum rechtzeitig fertig sein. Schuster bezeichnete genau das als Herausforderung.

Mehrkosten sieht der Innenminister derzeit nicht als konkretes Problem. Die bisherigen Planungen der Stadt seien nach seiner Einschätzung seriös und Grundlage des geschlossenen Vertrages gewesen.

Umbau soll in Etappen erfolgen

Ohnehin soll nicht das gesamte Sportforum gleichzeitig zur Baustelle werden. Die Stadt plant eine mehrstufige Umsetzung. Zunächst soll das Parkhaus entstehen. Anschließend folgt die neue Ballsporthalle, bevor im dritten Schritt die bestehende Arena ausgebaut wird.

Diese Reihenfolge soll gewährleisten, dass für die Sportarten auch während der Umbauphase entsprechende Hallenkapazitäten bestehen. Jung rechnet insgesamt mit einem Zeitraum von acht bis zehn Jahren.

Damit ist mit den 60 Millionen Euro aus Sachsen zwar ein wichtiger Finanzierungsbaustein gesichert. Die größere Aufgabe beginnt für Leipzig aber erst: Weitere 260 Millionen Euro müssen finanziert werden.

Wie viel davon private Partner übernehmen und welcher Anteil letztlich aus dem städtischen Haushalt kommt, ist noch offen. Gerade angesichts der angespannten Leipziger Finanzen dürfte diese Frage das Projekt deshalb noch über die Vertragsunterzeichnung hinaus begleiten.