Do., 09.07.2026 , 15:18 Uhr

Fast 90 und immer noch unbequem

Neue Ausstellung im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig: Jochen Fiedler zeigt Plakate mit Haltung

Politik, Krieg und deutsche Geschichte: Seit mehr als 60 Jahren bringt der Leipziger Grafiker Jochen Fiedler große Themen aufs Papier. Anlässlich seines 90. Geburtstags zeigt das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig im Alten Rathaus nun eine Auswahl seiner Arbeiten.

Viele Plakate Fiedlers gehören bereits zur Sammlung des Museums. Gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Ulrike Dura wurde für die Ausstellung eine Auswahl getroffen, die vor allem neuere Arbeiten zeigt. Zu sehen ist die Schau noch bis zum 6. September im zweiten Obergeschoss des Alten Rathauses.

Jochen Fiedler kam mit 25 Jahren nach Leipzig und arbeitete hier seit 1961 freiberuflich als Grafiker. Über Jahrzehnte gestaltete er unter anderem für Leipziger Kulturinstitutionen wie die Oper. Dass Leipzig zu seiner Wahlheimat wurde, hatte für ihn aber zunächst einen sehr persönlichen Grund: seine Frau stammt aus der Stadt.

Bis heute versteht Fiedler seine Arbeit auch politisch. In seinen Plakaten greift er aktuelle Konflikte ebenso auf wie historische Erfahrungen. Dabei arbeitet er mit klaren Bildern, gesellschaftskritischen Themen und gelegentlich auch mit Sprachwitz.

Auch seine Erfahrungen als Künstler in der DDR fließen in seine Arbeit ein. Fiedler erinnert sich an Schwierigkeiten, aber auch an Unterstützung. Als eines seiner Plakate nicht ins Ausland geschickt werden sollte, protestierte er – und setzte sich damit durch.

In neueren Arbeiten beschäftigt sich der Grafiker erneut mit Krieg und der Frage, was Gesellschaften aus der Geschichte gelernt haben. Seine Haltung ist dabei klar. Auf die Frage, was er den Menschen heute mitgeben möchte, antwortet Fiedler knapp:

„Den eigenen Verstand zu benutzen, das ist alles. Mehr braucht es nicht.“