Di., 25.08.2026 , 12:07 Uhr

Weitere Drohne nahe Flughafen

Neue Spuren nach Drohnenanschlag in Leipzig

Ermittler finden eine weitere Drohne und möglicherweise Hexogen. Der Anschlagsversuch war offenbar größer angelegt.

Neue Funde im Fall des Drohnenanschlags

Leipzig/Schkeuditz. Der mutmaßliche Anschlagsversuch am Flughafen Leipzig/Halle war offenbar größer angelegt als bisher bekannt. Neue Erkenntnisse der Ermittler deuten darauf hin, dass mehrere Drohnen zum Einsatz gekommen sein könnten. Zudem wurde in der Umgebung des Flughafens möglicherweise weiterer militärischer Sprengstoff entdeckt.

Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht weiterhin die Sprengstoffdrohne, die in der Nacht zum 5. August auf dem Gelände des Flughafens gefunden wurde. Nach bisherigen Erkenntnissen sollte sie ein ukrainisches Antonov-Frachtflugzeug angreifen, das unter anderem für den Transport von Rüstungsgütern genutzt wird. Der Anschlag scheiterte offenbar an einem defekten Zünder. Frühere Ermittlungen hatten ergeben, dass die Drohne gegen die Tragfläche der abgestellten Antonov geprallt sein soll. Der daran befestigte Sprengsatz löste sich dabei offenbar und detonierte nicht.

Mögliche zweite Drohne kollidiert mit DHL-Flieger

Nur wenige Minuten nach dem Fund der ersten Drohne ereignete sich ein weiterer Zwischenfall. Gegen 00.03 Uhr musste ein DHL-Frachtflugzeug wegen der Sperrung des Flughafens eine Landung abbrechen und durchstarten. Dabei könnte die Maschine mit einer zweiten Drohne kollidiert sein.

Die Piloten sollen kurz vor dem Zusammenstoß ein etwa 30 Zentimeter großes Objekt wahrgenommen haben. Auch eine spätere Auswertung von Radardaten soll Hinweise auf ein kleines Flugobjekt geliefert haben. Das DHL-Flugzeug wurde anschließend nach Hannover umgeleitet. Dort stellten Ermittler eine Beschädigung am Leitwerk fest. Nach bisherigen Untersuchungen soll es sich dabei nicht um einen Vogelschlag gehandelt haben. Teile dieser möglichen zweiten Drohne wurden bislang nicht eindeutig gefunden.

Antenne und Drohnenteile bei Kursdorf entdeckt

Auch die Umgebung des Flughafens spielt bei den Ermittlungen eine wichtige Rolle. In Kursdorf, unmittelbar nördlich des Flughafengeländes, wurde an einem Baum eine Antenne mit weiterer Elektronik entdeckt. Nach Einschätzung der Ermittler könnte die Konstruktion zur Steuerung beziehungsweise Verstärkung des Signals einer Drohne gedient haben.

Nicht weit davon entfernt fanden die Ermittler zudem verbrannte Erde und Metallteile. Die Stelle wird als mögliche Detonationsstelle untersucht. Zeugen hatten bereits am Abend des 4. August gegen 19.20 Uhr einen lauten Knall gehört. Was dort möglicherweise explodierte und ob ein Zusammenhang mit dem Anschlagsversuch besteht, ist weiterhin offen. Am 11. August wurden bei einer erneuten Suche außerdem ein Motor und ein Rotor eines Fluggeräts entdeckt.

Dritte Drohne im Kabelsketal gefunden

Ein weiterer bislang nicht öffentlich bekannter Fund erfolgte am 14. August. Auf einem Feld im Kabelsketal im Saalekreis in Sachsen-Anhalt wurde eine weitere Drohne entdeckt. Das Gebiet grenzt unmittelbar an den westlichen Teil des Flughafens Leipzig/Halle.

Einen Tag später fanden Ermittler an der Fundstelle eine verdächtige Substanz. Nach ersten Einschätzungen könnte es sich um etwa 50 Gramm Hexogen handeln. Hexogen ist ein hochexplosiver Sprengstoff, der auch militärisch eingesetzt wird. Ob die Substanz tatsächlich Hexogen ist und welchen Zusammenhang sie mit der gefundenen Drohne hat, ist Gegenstand der Ermittlungen.

Ermittler verfolgen mehrere Spuren

Bereits zuvor waren an der ersten Drohne, dem Sprengsatz und weiteren Beweismitteln mehrere DNA-Spuren entdeckt worden. Auch die sichergestellte Elektronik wird weiter untersucht. Das Bundeskriminalamt führt die Ermittlungen im Auftrag des Generalbundesanwalts.

Wer den Anschlag geplant und ausgeführt haben könnte, ist weiterhin nicht abschließend geklärt. Sicherheitskreise vermuten eine Beteiligung russischer Geheimdienste. Russland hat jegliche Verantwortung für den Vorfall zurückgewiesen. Die Ermittler prüfen weiterhin mehrere mögliche Spuren und müssen nun insbesondere klären, wie die verschiedenen Drohnenfunde und die sichergestellten Sprengstoffe miteinander zusammenhängen.