Mi., 06.05.2026 , 17:09 Uhr

Um nicht den gesamten Flügel bei Beschädigungen austauschen zu müssen, entwickle man eine austauschbare Vorderkante.

Neue Technik für Windräder - Wie Rotorblätter nachhaltiger werden könnten

Chemnitz- Windkraftanlagen gelten als Hoffnungsträger der Energiewende – und sorgen trotzdem immer wieder für Diskussionen. Vor allem beim Recycling der riesigen Rotorblätter gibt es bislang Probleme. Forschende am Fraunhofer-Institut arbeiten deshalb an neuen Lösungen: nachhaltiger, effizienter und vielleicht bald sogar „Made in Germany“.

ie sind ein gewichtiger Teil der Energiewende und werden mitunter heiß diskutiert. Womöglich liegt es an ihrer Sichtbarkeit, dass Windkraftanlagen trotz ihrer Bedeutung für die Dekarbonisierung oft die Gemüter spalten. Dabei gelten sie im Vergleich zu herkömmlichen Energieträgern als sehr umweltfreundlich. Probleme bereitet vor allem das Recycling der Anlagen. Aktuell gelingt dies zu rund 90 Prozent. Knackpunkt sind jedoch die Flügel. Diese seien laut Justus von Freeden, Projektleiter am Fraunhofer-Institut, derzeit nur schwer wiederzuverwerten und würden aktuell vor allem in der Betonindustrie unter anderem als Ersatzbrennstoff verwendet. Das soll sich im Rahmen des Projekts „REcreate“ nun ändern. Auch an anderer Stelle wird ein neuer Ansatz verfolgt. Die Vorderkante von Windradblättern leidet stark unter den Umweltbedingungen in luftiger Höhe. Staub, Regen und andere Einflüsse sorgen für Erosion. Die Folge: ein geringerer Wirkungsgrad der Anlagen. Um nicht den gesamten Flügel bei Beschädigungen austauschen zu müssen, entwickle man eine austauschbare Vorderkante. Dafür würden laut Justus von Freeden nachhaltigere Materialien eingesetzt als die aktuell verwendeten.

Die neue Technik könnte sich aber auch an anderer Stelle bezahlt machen. Denn heimische Firmen könnten künftig wieder Rotorblätter herstellen und so wirtschaftlich von der Energiewende profitieren – vorausgesetzt, der Plan geht auf. Aktuell lohne es sich kaum, diese in Deutschland zu produzieren. Das könnte sich durch den Einsatz neuer Fertigungstechniken jedoch ändern. Das Forschungsprojekt befindet sich noch in einem relativ frühen Stadium. Zunächst gehe es vor allem darum, die Machbarkeit aufzuzeigen und neue Konzepte zu entwickeln. Da man am Fraunhofer-Institut einen vergleichsweise radikalen Ansatz gewählt habe, sei eine der größten Herausforderungen, den Herstellern darzulegen, dass die neue Technologie der herkömmlichen überlegen ist. Laut Justus von Freeden sei nicht davon auszugehen, dass die Forschungsergebnisse eins zu eins umgesetzt werden. Man könne jedoch das Grundkonzept sowie einzelne Bestandteile für zukünftige Rotorblätter übernehmen. Ob sich die neuen Ansätze durchsetzen, wird sich zeigen – das Potenzial dafür ist scheint jedenfalls vorhanden.