Do., 19.02.2026 , 16:26 Uhr

Leipzig

Neues Erich-Zeigner-Haus: Historischer Ort mit aktuellem Auftrag

Das Erich-Zeigner-Haus in Plagwitz öffnet wieder – und will demokratisches Vertrauen durch Dialog neu stärken.

Was das Erich-Zeigner-Haus gegen schwindendes Vertrauen leisten soll

„Wir merken, dass Bürgerinnen und Bürger weniger Vertrauen in Verwaltung haben und auch weniger Vertrauen in die parlamentarische Demokratie.“
Mit diesem nüchternen Befund beschreibt Leipzigs Bürgermeisterin Vicki Felthaus die Ausgangslage – ausgesprochen ausgerechnet bei der Wiedereröffnung eines Hauses, das für demokratische Geschichte steht.

Das frisch sanierte Erich-Zeigner-Haus in Leipzig-Plagwitz rückt deshalb weniger das Gebäude selbst in den Mittelpunkt. Die zentrale Frage lautet: Wie lässt sich Vertrauen in Demokratie vermitteln – in einer Zeit wachsender Skepsis?

Ein historischer Ort mit Zukunftsauftrag

Seit Jahren zeigen Studien: Das Vertrauen in staatliche Institutionen schwankt, besonders in Ostdeutschland. Viele Menschen fühlen sich politisch wenig vertreten, Entscheidungen erscheinen komplex und weit entfernt vom Alltag.

Genau hier soll das „neue“ Erich-Zeigner-Haus ansetzen.
Für Dirk Panter, sächsischer Staatsminister für Wirtschaft und Mitglied des Vereins, ist seine Bedeutung kaum zu überschätzen. Es sei zugleich historischer Ort und ein Platz, der in die Zukunft blicke – ein Ort der Demokratiebildung.

Nicht allein Denkmalpflege steht im Fokus, sondern politische Bildung.

Drei Epochen deutscher Geschichte

Erich Zeigner war Ministerpräsident Sachsens, organisierte während der NS-Zeit Hilfe für Verfolgte und wurde nach 1945 Leipziger Oberbürgermeister. Seine Biografie verbindet mehrere Brüche deutscher Geschichte.

Für den Vereinsvorsitzenden Raimund Grafe zeigt sich darin vor allem politische Verantwortung in Krisenzeiten: Rettungswiderstand, gerettete Menschenleben und der Wiederaufbau nach dem Krieg prägen die Bedeutung des Ortes bis heute.

Das Haus steht damit weniger für eine einzelne Person als für demokratische Haltung.

Demokratie lernen – nicht nur hören

Demokratie, so Panter, sei anstrengend, manchmal mühsam – aber die beste Staatsform, an der sich alle beteiligen können. Genau dieses Verständnis soll hier vermittelt werden.

Geplant sind deshalb nicht nur Vorträge, sondern Austauschformate – besonders mit jungen Menschen.
„Wir setzen so früh an, weil wir denken, dass es dringend notwendig ist, dass man schon auch Kinder mitnimmt“, sagt Bürgermeisterin Felthaus.

Ziel ist nicht Überzeugung, sondern Verständnis: Entscheidungen brauchen Zeit, Beteiligung und Kompromisse.

Ein Haus allein verändert kein Land

Ein einzelnes Gebäude wird die politische Stimmung nicht drehen. Doch es kann Räume schaffen, in denen Politik erklärbar wird – und damit nachvollziehbarer.

Der Verein möchte daraus ein lebendiges Bildungs- und Begegnungszentrum machen.
Ob daraus mehr Vertrauen entsteht, entscheidet sich allerdings nicht bei der Eröffnung – sondern in den Gesprächen danach.