Direkt neben dem Leipziger Hauptbahnhof soll in den kommenden Jahren ein neues Stück Stadt entstehen. Auf dem Baufeld 5 des Löwitz Quartiers wurde nun der Grundstein für das erste Wohnbaufeld gelegt. Dort, wo früher Bahnflächen lagen und später lange eine große innerstädtische Fläche ungenutzt blieb, sollen künftig Wohnungen, Gewerbeflächen und gemeinschaftlich nutzbare Außenbereiche entstehen.
Leipzigs Baubürgermeister Thomas Dienberg spricht dabei von einem wichtigen Schritt für die Stadtentwicklung. „Auch Leipzig bekommt hiermit ein neues Viertel“, sagt Dienberg. Gestartet sei die Entwicklung bereits mit dem neuen Gymnasium, das seit rund zwei Jahren in Betrieb ist. Nun gehe es mit den ersten Wohnungsbauten weiter.
Auf dem rund 7.200 Quadratmeter großen Grundstück entstehen insgesamt 179 Wohnungen. Geplant sind 130 Mietwohnungen, darunter 70 geförderte Einheiten. Hinzu kommen 49 Eigentumswohnungen, rund 400 Quadratmeter Gewerbeflächen, Tiefgaragenstellplätze und gemeinschaftliche Außenflächen.
Für Bastian Humbach, Geschäftsführer Projektentwicklung bei HAMBURG TEAM, liegt die besondere Bedeutung des Projekts vor allem in der zentralen Lage. Das Gesamtgelände sei 2019 erworben worden, weil es eine seltene Möglichkeit biete, direkt am Hauptbahnhof ein großes Areal zu entwickeln. Man könne hier ein Quartier schaffen, das an die bestehende Stadtumgebung anschließe und nicht „auf der grünen Wiese am Rande der Stadt“ entstehe, so Humbach.
Leipzig wächst seit Jahren. Damit steigt auch der Druck auf den Wohnungsmarkt. Für Baubürgermeister Dienberg ist deshalb vor allem der geförderte Wohnraum ein entscheidender Punkt. Er sei besonders froh, dass es gelungen sei, einen „vernünftigen, relevanten Anteil an Sozialwohnungen“ in das Projekt einzubringen.
Gerade in zentraler Lage brauche es eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe, aber auch eine Mischung innerhalb der künftigen Bewohnerschaft. Menschen mit unterschiedlichen Biografien und Herkünften sollten in einem Quartier zusammenleben können, erklärt Dienberg.
Das Baufeld 5 besteht aus zwei Projektteilen, die intern die Namen Leo und Lea tragen. Der Name knüpft an das Löwitz Quartier an. Humbach erklärt, dass der Quartiersname mit der Endung „itz“ spiele, die viele Leipziger Stadtteile prägt. Der Bezug zum Löwen komme vom Leipziger Stadtwappen. Daraus seien schließlich auch die Namen Leo und Lea entstanden.
Neben Wohnungen und Gewerbe sollen im Gesamtquartier weitere Einrichtungen für den Alltag entstehen. Geplant sind unter anderem eine Kita, Einzelhandel und sogenannte Pocket Parks, also kleinere Grünflächen zwischen den Gebäuden.
Auch beim Energiekonzept setzt das Quartier auf technische Lösungen. Die Gebäude sollen über Nahwärme versorgt werden. Zusätzlich sind sogenannte Eisspeicher vorgesehen. Sie sollen im Sommer beim Kühlen helfen und im Winter eine sparsame Wärmeversorgung unterstützen.
Dienberg verweist darauf, dass klimaökologische Fragen bereits im Bebauungsplan eine wichtige Rolle gespielt hätten. Moderne Gebäudetechnik und Eisspeicher seien Teil des Konzepts.
Fertiggestellt werden sollen die Wohnungen 2027. Für Leipzig ist das Projekt mehr als ein einzelnes Bauvorhaben.
Es steht für die Frage, wie die wachsende Stadt neue Wohn- und Lebensräume schaffen kann, ohne dabei soziale Mischung, Alltagstauglichkeit und städtische Qualität aus dem Blick zu verlieren.
Ob das Löwitz Quartier diese Ansprüche erfüllt, wird sich spätestens dann zeigen, wenn dort nicht mehr nur gebaut, sondern gelebt wird.