Do., 21.05.2026 , 17:48 Uhr

OLAF verbindet Rettungsdienst, Klinik und soziale Hilfen

Obdachlos in der Notaufnahme

Wenn ein Mensch bewusstlos auf einer Bank liegt, ist für Passanten oft schwer zu erkennen, ob es sich um eine soziale Notlage oder einen medizinischen Notfall handelt. Genau an dieser Schnittstelle setzt das OLAF-Projekt des Städtischen Klinikums Dresden an. Sachsen Fernsehen war vor Ort.

OLAF steht für „Obdachlosen Aufenthalt“ und wurde im vergangenen Jahr in der Klinik für akute Notfallmedizin am Städtischen Klinikum Dresden entwickelt. Ziel des Projektes ist es, wohnungslose Menschen besser zu versorgen und gleichzeitig klarere Abläufe zwischen Rettungsdienst, Notaufnahme, Unterkünften und Sozialamt zu schaffen.

Im Interview mit Sachsen Fernsehen erklärte ein Oberarzt des Klinikums, dass die Notaufnahme regelmäßig mit wohnungslosen Patientinnen und Patienten zu tun habe. Pro Woche seien es nach seiner Erfahrung im Durchschnitt acht bis zwölf Fälle. Häufig gehe es um Alkoholvergiftungen, Drogen, Verletzungen oder Infektionen. Die medizinische Herausforderung: Oft fehlen wichtige Informationen – etwa zu Vorerkrankungen, Medikamenten, Versicherungsstatus oder einem festen Wohnort.

Das Projekt soll deshalb nicht erst im Krankenhaus ansetzen. Schon der Rettungsdienst soll künftig besser einschätzen können, ob eine Patientin oder ein Patient tatsächlich in die Notaufnahme gebracht werden muss – oder ob direkt eine Unterkunft oder eine andere Hilfsstelle der bessere Weg ist. Nach der Behandlung stellt sich zudem die Frage, wohin wohnungslose Menschen entlassen werden können und ob dort weitere Unterstützung möglich ist.

Am Klinikum Friedrichstadt zeigt sich die praktische Seite des Projekts auch an einem Kleiderregal. Dort wurden gespendete Pullover, Hosen und Schuhe nach Größen sortiert. Die Kleidung wird regelmäßig genutzt, auch andere Stationen greifen darauf zurück. Für das medizinische Personal bleibt OLAF trotzdem nur ein Teil der Lösung: Wohnungsunterkünfte, Mietpreise und soziale Strukturen könne ein Krankenhaus allein nicht beeinflussen, so der Oberarzt gegenüber Sachsen Fernsehen.