Eine Übernachtung im Übernachtungshaus kostet fünf Euro. Der Betrag ist laut Stadt kein klassischer Preis, sondern Teil eines pädagogischen Ansatzes. Ziel ist es, obdachlose Menschen in den Leistungsbezug zu bringen und damit krankenversichert abzusichern. Denn viele leben ohne Krankenversicherung – kleine Verletzungen können so schnell schwere Folgen haben.
Für Menschen ohne Einkommen gibt es Ausnahmen: In akuten Notlagen stehen auch kostenlose Plätze zur Verfügung, etwa im erweiterten Kälteschutz. Insgesamt nutzen rund 1.000 Menschen verschiedene Angebote des Leipziger Hilfesystems. Dazu zählen jedoch nicht nur Übernachtungen, sondern auch Beratung, Streetwork oder medizinische Hilfe. Für die Nacht stehen aktuell rund 367 Betten zur Verfügung – selbst bei starkem Frost bleiben regelmäßig Plätze frei.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Nicole Arnold, Sachgebietsleiterin für Notunterkünfte, nennt Scham, fehlende Privatsphäre und die Angst vor Konflikten als zentrale Hemmnisse. Auch Gerüchte über Diebstahl oder das Gefühl, Hilfe nicht zu brauchen, hielten manche Menschen fern. Hinzu kommen ganz praktische Gründe: Haustiere etwa sind nicht in allen Unterkünften erlaubt.
In den Übernachtungshäusern gelten klare Regeln. An den Eingängen kontrolliert Security, ob Alkohol oder Drogen mitgebracht werden. Diese Kontrollen sollen Sicherheit für alle gewährleisten, stellen für manche Betroffene aber eine zusätzliche Hürde dar. Um Konflikte zu vermeiden, gehen Sozialarbeiter bereits bei der Zimmerbelegung präventiv vor und achten darauf, wer gemeinsam untergebracht wird.
Menschen mit schweren Suchterkrankungen, für die ein klassisches Übernachtungshaus nicht geeignet ist, werden gezielt an spezialisierte Einrichtungen weitervermittelt – in Leipzig etwa an die Alternative I und die Alternative II.
Auch außerhalb der Unterkünfte versucht die Stadt zu unterstützen – mit Streetwork, einem Hilfebus, medizinischer Versorgung oder Notfallausrüstung wie Schlafsäcken und Rucksäcken. Dennoch bleibt für viele Menschen ohne Wohnung die Nacht im Freien Realität.
Nicht jeder nutzt ein Übernachtungshaus. Die Gründe dafür sind individuell – und oft komplex. Fest steht: Gerade im Winter bleibt die Situation für obdachlose Menschen besonders herausfordernd.