Mi., 22.04.2026 , 18:24 Uhr

Leipzig

OSTFORUM bald fertig: Wohnen und Arbeiten an einem Ort?

Wohnen, arbeiten, einkaufen an einem Ort: Das Ostforum Leipzig setzt auf kurze Wege. Doch es gibt auch Kritik an den Mietpreisen.

Mit dem Ostforum am Leipziger Ostplatz wird derzeit eines der auffälligsten Neubauprojekte der Stadt sichtbar. Die Gerüste sind weitgehend verschwunden, die farbige Fassade prägt inzwischen die Prager Straße. Doch hinter dem markanten Äußeren steckt ein größeres Konzept: Wohnen und Arbeiten sollen hier zusammenfinden.

Das Projekt der ADLER Group umfasst drei Gebäude mit rund 18.450 Quadratmetern Gesamtfläche. Davon entfallen etwa 15.300 Quadratmeter auf Gewerbe und rund 3.150 Quadratmeter auf Wohnen.

Kurze Wege statt Pendelalltag

50 Mietwohnungen entstehen im Komplex. Hinzu kommen Büroflächen, Einzelhandel und Gastronomie. Ziel ist ein urbanes Quartier, das den Alltag erleichtert.

„Am Ende werden hier Menschen leben, arbeiten, sich treffen und in diesem Quartier Zeit verbringen“, sagt Projektverantwortlicher Dr. Karl Reinitzhuber, CEO der ADLER Group.

Auch infrastrukturell setzt man auf Nähe: Straßenbahnanschluss direkt vor der Tür, Innenstadt in rund 1,4 Kilometern Entfernung, Einkaufsmöglichkeiten im Haus. Im Untergeschoss soll ein Aldi eröffnen.

Neue Arbeitswelt als Vorbild

Das Projekt reagiert auch auf veränderte Arbeitsbedingungen. Homeoffice, hybride Modelle und flexible Teams verändern seit Jahren die Anforderungen an Büros.

Der österreichische Publizist Wolf Lotter sieht darin einen notwendigen Wandel.

„Die neuen Arbeitsbüros anstelle von Großraumbüros sind wichtig, weil KI und Automatisierung uns die Routinearbeit abnehmen“, sagt Lotter. „In der Wissensarbeit braucht man Ruhe, Ideen und Konzentration.“

Seine Kernthese: Viele Bürostrukturen stammen aus einer Industriezeit, passen aber nicht mehr zu moderner Wissensarbeit.

Mietpreise sorgen für Diskussionen

Während die städtebauliche Idee positiv aufgenommen wird, sorgt vor allem das Preisniveau für Diskussionen. Laut Projektentwickler liegen die Wohnungsmieten bei etwa 15 bis 17 Euro pro Quadratmeter.

Zum Vergleich: Die durchschnittlichen Leipziger Angebotsmieten liegen – je nach Quelle, Lage und Ausstattung – deutlich darunter. Gerade in Zentrumsnähe steigen die Preise seit Jahren stark.

Kritiker sehen darin ein bekanntes Problem: Neue Wohnungen entstehen, aber nicht für alle Einkommensgruppen.

Die ADLER Group argumentiert dagegen, Leipzig brauche unterschiedliche Angebote. „Der Wohnungsbedarf in Leipzig ist differenziert zu betrachten und verlangt sowohl nach hochwertigen als auch nach preisgünstigen Wohnungen“, so Reinitzhuber.

Deloitte zieht ein

Auch wirtschaftlich scheint das Projekt bereits gut angenommen zu werden. Rund zwei Drittel der Gewerbeflächen sind vermietet. Größter Nutzer wird Deloitte mit rund 8.000 Quadratmetern Bürofläche.

Damit zeigt sich: Leipzig bleibt als Wirtschaftsstandort gefragt – gerade in innenstadtnahen Lagen mit guter Verkehrsanbindung.

Fertigstellung 2026 geplant

Die Baugrube wurde Anfang 2020 vorbereitet, die Bodenplatte 2021 gegossen. Nach Verzögerungen und schwierigen Baujahren soll die endgültige Fertigstellung im zweiten Halbjahr 2026 erfolgen.

Leipzigs Zukunft im Kleinen?

Das Ostforum ist mehr als ein Bauprojekt. Es ist ein Testfall für moderne Stadtentwicklung: dichter bauen, Wege verkürzen, Nutzungen mischen.

Ob daraus ein Modell für viele Leipziger wird oder eher ein Premiumquartier bleibt, wird sich erst zeigen, wenn die ersten Menschen dort wohnen und arbeiten.

Sicher ist schon jetzt: Am Ostplatz entsteht ein Stück neues Leipzig.