Chemnitz – Nach der tödlichen Amokfahrt in Leipzig wächst auch in Chemnitz die Sorge vor möglichen Angriffen im öffentlichen Raum. Die Stadt will jetzt reagieren und plant versenkbare Poller rund um den Rathausmarkt.
Zwei Tote, mehrere Verletzte: Am 4. Mai erschütterte eine Amokfahrt die Innenstadt von Leipzig. Ein 33-jähriger Mann raste rund 500 Meter durch eine Fußgängerzone. Nun reagieren auch andere Städte und wollen ihre Innenstädte präventiv sicherer machen.
In Chemnitz plant die Stadt deshalb, den Markt rund um das Rathaus mit fest verankerten Pollern zu schützen. Für rund 2,5 Millionen Euro sollen die Sicherheitsanlagen gebaut werden. Laut Ordnungsbürgermeister Knut Kunze muss der Stadtrat am Mittwoch noch über die Pläne abstimmen.
Auch wenn es in Chemnitz bislang keinen Vorfall wie in Leipzig gegeben hat, bestehe laut Kunze eine abstrakte Gefahrenlage. Bedeutet: Es gibt zwar keine konkreten Hinweise auf eine Bedrohung, grundsätzlich könne so etwas aber jederzeit passieren. Damit das aber auch künftig nicht geschieht, wolle die Stadt den Schutz der Menschen dauerhaft erhöhen und das nicht nur bei Veranstaltungen, sondern das ganze Jahr über.
Neben bepflanzten Schutzmaßnahmen, die viele Chemnitzer bereits kennen, sollen deshalb künftig auch versenkbare Poller eingesetzt werden. Trotzdem wolle man die Innenstadt nicht zu einer „Festung“ machen. Der Bereich rund um den Markt solle weiterhin offen und zugänglich bleiben, allerdings mit mehr Raum für Fußgänger und weniger Verkehr mitten im Zentrum.
Sollte der Stadtrat die Pläne am Mittwoch genehmigen, könnte noch in diesem Jahr die finale Planung starten. Die Umsetzung ist dann für die Jahre 2027 und 2028 vorgesehen. Bei der Planung arbeiten Polizei und Stadtverwaltung eng zusammen. Aus Sicht von Ordnungsbürgermeister Knut Kunze könnten von den neuen Sicherheitsmaßnahmen auch Veranstalter profitieren.
Wie stark die neuen Sicherheitsmaßnahmen die Chemnitzer Innenstadt in den kommenden Jahren verändern werden, bleibt abzuwarten. Klar ist aber schon jetzt: Das Thema Sicherheit rückt zunehmend in den Mittelpunkt. Die Herausforderung wird sein, Schutz und Offenheit miteinander zu verbinden. Denn am Ende braucht es wohl einen Spagat zwischen einem freien, offenen Stadtleben und dem Wunsch nach größtmöglicher Sicherheit.