Di., 21.04.2026 , 16:06 Uhr

Leipzig

Prinzen-Star unterstützt Leipziger Musikszene

Tobias Künzel unterstützt die Leipziger A-cappella-Szene – doch die kämpft mit ganz anderen Problemen.

Prominente Hilfe für leise Töne

Unterstützung für die Leipziger Musikszene kommt jetzt von prominenter Seite: Tobias Künzel, Sänger der Band Die Prinzen, engagiert sich als sogenannter „Möglichmacher“ von Sachsenlotto für die Vokalmusik in der Stadt.
Mit einem symbolischen Scheck über 5.000 Euro unterstützt er den Verein zur Förderung der Vokalmusik. Das Geld fließt unter anderem in das international bekannte a-cappella-Festival, das Anfang Mai wieder in Leipzig stattfindet.
Gesang und das Zusammensingen verbindet unheimlich und das muss unbedingt gewahrt werden
sagt Künzel.

Leipzigs musikalische Wurzeln

Für Künzel ist das Engagement mehr als ein PR-Termin. Der gebürtige Leipziger wurde im Thomanerchor musikalisch geprägt. Seine Karriere mit den Prinzen zählt zu den erfolgreichsten der deutschen Popgeschichte.
Singen und Musik ist mein Leben. Ohne das wird es mich wahrscheinlich gar nicht geben.
erklärt er.
Gerade deshalb liegt ihm die Förderung der Szene besonders am Herzen – vor allem, weil sie oft im Hintergrund steht.
A Cappella ist eine relativ leise Angelegenheit“, so Künzel. „Aber sie schafft mit leisen Tönen ganz viel Emotion und Verbindung.

Festival zwischen Erfolg und Existenzdruck

Der Verein hinter dem Festival organisiert seit Jahren eines der wichtigsten Vokalmusik-Events Europas. Doch die Rahmenbedingungen werden schwieriger.
Robert Pohlers, Sänger beim Ensemble amarcord und Mitorganisator des Festivals, beschreibt die Lage deutlich:
Wir haben große Freude daran, dass wir bedacht werden mit so viel Geld, mit dem wir die Durchführung des Festivals weiterhin garantieren können.
Doch er macht auch klar: Die Förderung ist dringend nötig.
Kulturförderung fällt oft politischen Entscheidungen zum Opfer… sie wird als Luxus gesehen, dabei ist sie ein Grundrecht.

Kultur vs. Wirtschaft?

Ein zentraler Konflikt: Kultur steht häufig im Wettbewerb mit wirtschaftlichen Interessen. Gerade in Krisenzeiten wird zuerst dort gespart.
Pohlers sieht darin eine gefährliche Entwicklung:
Kultur sei kein Zusatz, sondern Teil gesellschaftlicher Identität.
Es sollte nicht die Entscheidung sein: Wirtschaft oder Kultur – beides gehört zusammen.

Die Idee hinter den „Möglichmachern“

Die Unterstützung ist Teil einer Kampagne von Sachsenlotto. Geschäftsführer Frank Schwarz erklärt das Konzept:
Wir übergeben einem Prominenten einen Check – und er entscheidet, wohin das Geld geht.
Ziel sei es, konkrete Projekte zu ermöglichen und gleichzeitig Aufmerksamkeit zu schaffen.
Wir geben nicht nur Geld, wir geben Öffentlichkeit und Reichweite.

Reicht das für die Zukunft?

Trotz der Unterstützung bleibt die Frage: Wie nachhaltig ist dieses Modell?
Künzel sieht die Verantwortung nicht nur bei Initiativen oder Sponsoren, sondern auch bei der Politik:
Es braucht eine Stadt, die genug Geld erwirtschaftet, um Kultur finanzieren zu können.
Leipzig gilt als traditionsreiche Musikstadt – von Bach bis zur modernen Vokalszene. Doch diese Tradition muss aktiv erhalten werden.
Es ist nicht normal, von so viel Kultur umgeben zu sein
sagt Künzel.

Ausblick: Festival startet im Mai

Das a-cappella-Festival läuft vom 1. bis 9. Mai 2026 und bringt internationale Ensembles nach Leipzig. Neben Konzerten liegt ein Fokus auf Nachwuchsförderung – etwa durch die neue „A Cappella Academy“.
Für die Szene ist die Unterstützung ein wichtiges Signal.
Doch die grundsätzliche Frage bleibt:
Wie viel ist uns Kultur wirklich wert?