Mi., 05.08.2026 , 18:13 Uhr

Wie sicher sind Leipzigs Radwege wirklich?

Radstadt Leipzig: Zwischen Fortschritt und Lücke

Leipzig bringt gute Voraussetzungen für den Radverkehr mit: Die Stadt ist weitgehend flach, viele Wege sind kurz und das Fahrrad gehört für zahlreiche Menschen zum Alltag. Inzwischen gibt es mehr als 400 Kilometer Radverkehrsanlagen. Im Jahr 1990 waren es erst 74 Kilometer. Knapp jeder fünfte Alltagsweg wird heute mit dem Rad zurückgelegt.

Doch nicht überall kommen Radfahrende sicher ans Ziel. In Straßeninterviews berichten Leipzigerinnen und Leipziger von Schlaglöchern, blockierten Wegen und Radspuren, die plötzlich enden. Manche wählen ihre Route bewusst so, dass sie die Innenstadt umfahren. Besonders dort, wo Fahrräder und Autos denselben Raum nutzen, fühlen sich einige unsicher.

Auch die Befragung des Leipziger Instituts O.trend vom Mai zeigt ein gemischtes Bild. Zwar sind mehr Befragte zufrieden als unzufrieden. Fast die Hälfte entscheidet sich bei der Bewertung der Radverkehrsinfrastruktur jedoch für „weder noch“.

Andrej Krocker vertritt beim ADFC Leipzig die Interessen der Radfahrenden. Er sieht die Entwicklung grundsätzlich auf einem guten Weg, kritisiert aber die fehlenden Verbindungen zwischen bereits ausgebauten Abschnitten.

„Die größten Probleme, das sind die Lückenschlüsse“, sagt Krocker. Statt eines zusammenhängenden Netzes gebe es noch immer einen „Flickenteppich“.

Solche Konflikte greift auch der Radverkehrsentwicklungsplan 2030+ der Stadt Leipzig auf. Darin werden unter anderem sicherere Übergänge an Kreuzungen, besser auf Radfahrende abgestimmte Ampelschaltungen und eine bessere Beleuchtung ausgewählter Wege vorgesehen.

Erste Veränderungen sind bereits sichtbar: Die Nonnenstraße in Plagwitz wurde zur Fahrradstraße umgestaltet. In der Harkortstraße entstehen neue Radfahrstreifen, während gleichzeitig Fahrbahn und Leitungen erneuert werden.

Bis 2030 sollen nach den Plänen der Stadt Lücken auf wichtigen Vorrang- und Hauptrouten geschlossen werden. Langfristig soll ein Radnetz entstehen, das an 365 Tagen im Jahr nutzbar ist.

Leipzig hat beim Ausbau aufgeholt. Ob die Stadt ihr Potenzial als Fahrradstadt vollständig ausschöpfen kann, entscheidet sich jedoch nicht allein an neuen Einzelabschnitten, sondern vor allem an sicheren und durchgehenden Verbindungen.