Mo., 23.03.2026 , 18:34 Uhr

Leipzig

Rekord trotz Krise: Retten Liebesromane den Buchmarkt?

Rekord auf der Buchmesse, Krise im Handel. Kann der Hype um Romance und BookTok den Markt stabilisieren?

Rekordstimmung in Leipzig – und gleichzeitig große Sorgen in der Branche: Mehr als 300.000 Menschen haben in diesem Jahr die Buchmesse und das Lesefestival „Leipzig liest“ besucht. So viele wie nie zuvor. Doch hinter den vollen Hallen steckt eine andere Realität: Viele Buchhandlungen und Verlage kämpfen weiter mit steigenden Kosten und vorsichtigem Kaufverhalten.

„Ich würde sagen, sie ist durchwachsen“, beschreibt Katja Junghans, Inhaberin der Buchhandlung Südvorstadt in Leipzig, die aktuelle Lage. „Reduziertes Kaufverhalten von Kunden, gestiegene Preise. Aber wir existieren.“

Tatsächlich ist die Situation angespannt. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Buchhandlungen in Deutschland um mehr als 15 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig steigen Mieten, Energie- und Logistikkosten. Für viele kleinere Läden wird das wirtschaftliche Überleben zur Herausforderung.

Und doch gibt es einen Bereich, der derzeit wächst: Romance- und Dark-Romance-Titel. Besonders über Social Media – vor allem TikTok unter dem Hashtag „BookTok“ – erreichen Bücher ein neues Publikum.

Ein Beispiel dafür ist der queere Eishockey-Liebesroman „Heated Rivalry“. Das Buch wurde durch eine Serienverfilmung und den Hype in sozialen Netzwerken zum Bestseller. Verlegerin Jeannette Bauroth aus Thüringen spricht von einer Ausnahmesituation: „Das ist eine absolut einmalige Sache. Es bringt eine große Menge Freude mit sich.“

Für sie sind Plattformen wie TikTok längst Teil der Buchwelt geworden. „Das sind Buchempfehlungen, wie man sie früher in gedruckten Rezensionen gelesen hat“, sagt sie.

Auch Übersetzerin und Buchhändlerin Martha Sonnenburg beobachtet den Trend. Romance-Literatur ziehe aktuell viele junge Leserinnen an – und könne dem Buchhandel zumindest kurzfristig helfen. „Das sind vielleicht auch die Bücher, die dem Buchhandel gerade helfen“, sagt sie.

Doch der Boom hat auch Schattenseiten. Gerade Dark-Romance-Titel stehen immer wieder in der Kritik. Ihnen wird vorgeworfen, problematische Beziehungsdynamiken, Machtgefälle und sexualisierte Abhängigkeiten als romantisch darzustellen.

Auch unter Leserinnen gehen die Meinungen auseinander. Während einige die Bücher als spannenden Eskapismus feiern, lehnen andere sie genau deshalb ab. „Mir ist das zu brutal“, sagt eine Besucherin der Messe.

Unabhängig vom Genre sind sich viele einig, worauf es ankommt: gute Geschichten. „Der Buchmarkt braucht starke Geschichten mit starken Charakteren und den Mut, Klischees aufzubrechen“, sagt eine Besucherin aus Leipzig.

Die Buchbranche steht damit vor einer doppelten Herausforderung: Sie muss wirtschaftlich stabil bleiben – und gleichzeitig neue Zielgruppen erreichen. Social Media und gehypte Genres können dabei helfen. Doch ob sie den Markt langfristig tragen, ist offen.

Fest steht: Das Interesse am Lesen ist da. Die Frage ist nur, wie es sich in Zukunft auch wirtschaftlich tragen lässt.