Chemnitz- Sachsens Kassen sind leer – und das hat Folgen, die weit über Zahlen hinausgehen. Während in Dresden um den nächsten Haushalt gerungen wird, wächst andernorts die Sorge. Denn dem Rotstift könnten an der Chemnitzer Kooperationsschule auch die sogenannten Schulassistenzen zum Opfer fallen.
Die Planungen für den sächsischen Doppelhaushalt 2027/2028 dürften den Beteiligten einiges abverlangen. Im kommenden Jahr muss eine Finanzlücke von 1,3 Milliarden Euro geschlossen werden – im Jahr 2028 fehlen sogar 1,5 Milliarden. Es ist davon auszugehen, dass künftig der Rotstift mitregiert. Eine Entwicklung, die auch an der Kooperationsschule Chemnitz für Nervosität sorgt.
Denn die Kürzungen könnten bei den Schulassistenzen ansetzen. Mit zwei roten Stühlen will die Einrichtung auf das drohende Aus von Nicole Klug und Sebastian Behr aufmerksam machen. Die Stellen der beiden Assistenzen sind seit jeher befristet, aktuell läuft bereits die zweite Befristung. Eine dritte wird es ohne Weiteres nicht geben. Eine Entfristung würde das Problem sofort lösen – daran glaubt Nicole Klug jedoch nicht. Neben den leeren Kassen spiele auch eine Rolle, dass nicht allen die Bedeutung der Schulassistenzen bewusst sei.
Steffi Partons Sohn wird an der Kooperationsschule unterrichtet. Dass die Schulassistenzen erneut auf der Kippe stehen, sorgt bei ihr für Fassungslosigkeit. Denn die beiden würden schon jetzt vieles kompensieren, was sonst hinten herunterfallen würde – auch, weil die eigentlichen Lehrkräfte mitunter überlastet seien. Die finale Entscheidung steht zwar noch aus, doch eine weitere Befristung der beiden Assistenzen wäre, wie eingangs erwähnt rechtlich nicht ohne Weiteres möglich. Und gänzlich neues Personal würde aus Sicht von Schulleiterin Katrin Jechorek ebenfalls Probleme bereiten.
Für Sebastian Behr würde das bedeuten, beruflich zunächst umzudenken. Später an die alte Wirkungsstätte zurückzukehren, sei rechtlich eben nur schwer möglich – und aus Sicht von Behr auch nicht sinnvoll. Denn es brauche Zeit, bis sich die Schülerinnen und Schüler öffnen und so die Assistenzarbeit überhaupt möglich werde. Und das gilt nicht nur für die beiden Assistenzen, sondern auch für die Schülerinnen und Schüler der Einrichtung. Miroslawa Siwerska wird an der Kooperationsschule unterrichtet. Die Schulassistenzen hätten ihr schon bei dem einen oder anderen Projekt aus der Patsche geholfen. Noch wichtiger sei für sie jedoch das Vertrauensverhältnis, das es ermögliche, auch einmal persönliche Sorgen anzusprechen.
Vertrauen ist auch für Steffi Parton ein entscheidender Punkt. Es beruhige ungemein, als Mutter zu wissen, dass das eigene Kind im Schulalltag jemanden hat, an den es sich mit vertraulichen Dingen wenden kann. Wie es mit den Schulassistenzen weitergeht, bleibt vorerst offen. Klar ist jedoch schon jetzt: Kürzungen in diesem Bereich dürften zumindest an der Chemnitzer Kooperationsschule Folgen haben – nicht nur für die betroffenen Mitarbeiter, sondern vor allem für die Schülerinnen und Schüler, die auf diese Unterstützung angewiesen sind.